Erweiterte Winterprognose

In diesem Beitrag versuche ich mit weiteren Parametern den Winter 2015/2016 vorherzusagen. Geht die Tendez wohl erneut in Richtung mild? Die nächsten Zeilen verraten es!

Ich liste hier auf was für einen Mildwinter und was für einen Kaltwinter sprechen würde.

Beginnen wir mit den Mildwinterindizien:

Die QBO: QBO (Quasi-Biennial-Oscillation) ist eine ungefähr zweijährige Periode des Wechsels von Ostwinden und Westwinden in der unteren und mittleren Stratosphäre. Eine Westlage bedeutet eine ausgeprägte Westdrift und damit feucht-milde Winterwitterung. Eine Ostlage dagegen spricht für eine schwächere Westwindzirkulation und erhöht die Chancen auf Kälteeinbrüche. Derzeit herrscht eine westliche QBO vor. Demenstprechend müsste der Winter eher mild werden. Wie war das in früheren Jahren?

Vergleichbar waren 2013, 2010, 2006, 1997, 1990, 1987, 1985, 1982, 1980, 1975, 1971, 1966, 1963, 1961 und 1959.

Im Mittel lag die Abweichung des Winters bei +0.6 K und in 73% der Fälle trat ein milder Winter ein. In 8 von 15 Jahren, also in 53% der Jahre kam es zu einem richtigen Mildwinter mit einer Abweichung von mindestens +1 K, und nur in 20% der Jahre wurde er richtig kalt mit einer negativen Abweichung von mindestens 1 K.

Im Einzelnen wurde der Dezember in immerhin 67%, der Januar in 87% und der Februar in 63% zu mild. Die Mittlere Abweichung lag aber nur im Janaur mit +1 K klar im positiven Bereich.

El-Niño: Derzeit sind die Meerestemperaturen im Pazifik um den Äquator deutlich höher als normal. Es herrscht El-Niño, ein Wetterphänomen, dass bedeutende Auswirkungen auf die Witterung diverser Gebiete hat. Gewissermassen wird auch Europa beeinflusst.

Ungefähr Vergleichbare Jahre sind 2002, 1997, 1987, 1982, 1972, 1965, 1963 und 1957. In Diesen Jahren waren die Winter tendenziell eher etwas milder (Mittel +0.4 K Abweichung). In fünf der acht Jahre (63%) war die Temperatur überdurchschnittlich. Im Einzelnen ergibt sich für den Dezember eine schwache Tendenz zu milder Witterung (+0.3 K, 63% mild), auf den Januar hat das Phänomen kaum einen Einfluss (+0.2 K, 50%) und im Februar überwiegen die milden Varianten wieder ganz leicht (+0.6 K, 63%). El-Niño spricht also eher für einen Mildwinter, die Aussagekraft ist aber gering.

Ausgleichsverhalten: September und Oktober waren zu kühl. Kühle Phasen werden häufig durch milde Phasen wieder ausgeglichen. Deswegen könnte der Winter mild werden. Als Vergleichsjahre wurden herangezogen: 2008, 2007, 1996, 1994, 1993, 1978, 1974, 1972, 1965 und 1960. Tatsächlich wurde der nachfolgende Winter in 6 von 10 Fällen zu mild. Allerdings ist das nur eine leichte Tendenz. Für den Dezember hat sich eine Tendenz zu milder Witterung ergeben (nur 60% mild), der Januar sollte allerdins dagegen zu 60% kälter werden als normal. Der Februar wurde interessanterweise in 8 der 10 Jahre wärmer als normal.

Sonnenflecken: Zugegeben, dieser Bereich ist sehr umstritten. Derzeit sink die Zahl der Sonnenflecken nach einem Maximum vor etwas mehr als einem Jahr stark ab. Jahre nach einem solchen Maximum waren 2003, 1992, 1982, 1971, 1960, 1950, 1940, 1930, 1919, 1909, 1895, 1885. In 70% der Fälle wurde der Winter zu mild (Wurde genau die Mitteltemperatur gemessen, zählte ich dies zur Hälfte als kalt und zur Hälfte als mild). Dieses Ergebnis erstaunt mich, da ich sonst immer gelesen habe, dass ein Jahr nach einem Maximum ein Kaltwinter folgt. Eventuell kommt es auf das Vorhersagegebiet an.

Luftdruckanomalien Südamerika: In einem Beitrag vom 6.Oktober habe ich statistisch nachgewiesen, dass zwischen den Luftdruckkonstellation um die Südspitze Amerikas einen bedeutenden Zusammenhang besteht. Ist der Luftdruck westlich davon im September überdurchschnittlich hoch, so folgt in 80% der Jahre ein überdurchschnittlich warmer Winter. Zu 60% wird er sogar ein richtiger Mildwinter mit einer positiven Abweichung von mindestens einem Grad Celsius.

 

Nun komme ich zu den Indizien für einen Kaltwinter:

Luftdruck Oktober: Im Oktober war der Luftdruck über Mitteleuropa höher als normal. In den Vergleichsjahren wurden die Winter dann zu 69% kälter als normal. Zudem würde dies ausnahmsweise für einen kalten Dezember sprechen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist mit 63% aber nicht gerade überwältigend. Sonst gibt es kaum Tendenzen.

Mildwinter häufig in Blöcken: Mildwinter treten meistens nicht einzeln, sondern gehäuft auf. Zwei hatten wir bereits (2013/2014, 2014/2015), wie häufig folgt nach zwei auch ein dritter? Zu 55%. Das ist keine gute Aussage, nur eine Tendenz. Wie ist es, wenn auf einen Mildwinter ein normaler Winter folgte? Dann wird der nächste Winter in 65% der Fälle eine unterdurchschnittliche Temperatur aufweisen. Die zweite Aussge ist eher stärker als die erste, doch klar ist sie ebenfalls nicht. Deswegen ist nur eine schwache Tendenz zu einem kälteren Winter auszumachen.

 

Parameter, die Einfluss auf den Winter haben, aber unsicher sind:

NAO-Index: Hier habe ich Vergleichsjahre mit einem negativen Index im Sepember und einem positiven im Oktober gesucht. Über den gesamten Winter gesehen konnte keine Tendenz ausgemacht werden. Allerdings gibt es für die Einzelnen Monate sehr wohl Tendenzen. Die Vergleichsjahre waren 2000, 1987, 1986, 1985, 1983, 1972, 1958, 1957, 1954, 1953 und 1951. Der Dezember war in 81% der Fälle zu mild, die mittlere Abweichung liegt demensprechend mit +1°C deutlich im positiven Bereich. Auch der Januar wurde zu 73% zu warm. Im Februar scheint die Witterung dann zu kippen, da 64% im kalten Bereich liegen. Dieses Szenario wäre das des letzten Winters. Der kalte Februar vermochte den restlichen Mildwinter auszugleichen. Auch 2011/2012 war ein solcher Winter.

AO-Index: Im September und Oktober war der Index im Mittel negativ. Daraus lässt sich nicht auf die Temperatur des gesamten Winters schliessen. Lediglich der Januar wird zu 63% wärmer als normal.

 

Fazit:

Die Indizien, die auf einen milden Winter schliessen lassen, sind zahlreicher, als die, die für einen Kaltwinter sprechen. Deswegen erwarte ich einen überdurchschnittlich warmen Winter 2015/2016.

Der Dezember wird voraussichtlich mit etwa 75% Wahrscheinlichkeit wärmer als normal.

Der Januar scheint unsicherer zu sein. Insgesamt überwiegen aber die Indizien für einen eher warmen Verlauf.

Auch für den Februar sage ich derzeit eher überdurchschnittliche Temperaturen voraus.

Wahrscheinlich werden zwei Wintermonate zu mild, in einem der drei Monate wird die Witterung aber wahrscheinlich kippen, sodass es wahrschienlich nicht durchgehend mild ist.

Gesagt sein muss noch, dass auch ein Mildwinter einiges an Schnee bringen kann. Dieser kommt dann meistens kurz, dafür in grossen Mengen, bevor er wieder dahinschmilzt. In einem eisig kalten Winter wird dagegen meist trockene Kontinentalluft ohne viel Schnee herangeführt. Wenn es aber welchen gibt, hat er gute Chancen, liegen zu bleiben.

 

 

 

 

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