Langfristprognose März und Frühling

Zum kalendarischen Wechsel in den Frühling kommt der Winter noch einmal.

Der März hatte schon viele Gesichter. Er kann grösstenteils warm und sonnig sein wie 2014, 2012 und 2011 oder aber nochmals winterlich kalt und trüb mit scheinbar endlosem Winterwetter wie 2013. Nach dem aktuellen Wetter könnte man zum Schluss kommen, dieses Jahr gäbe es einen Märzwinter. Das ist aber unseriös und ich möchte meine Prognose nicht nach dem heutigen Schneefall richten.

Ich habe mir die Zeit genommen, um die grossräumigen Verhältnisse etwas genauer zu betrachten, um damit auf die kommende Witterung zu schliessen. Deshalb ist die heutige Langfristprognose etwas ausführlicher als üblich. Wenn Sie sich nur für das Endprodukt interessieren, scrollen Sie doch bitte nach unten. Am Ende des Beitrags finden Sie die endgültige Prognose.

 

HIER finden Sie eine Karte mit den Abweichungen der mittleren Temperatur der letzten Woche vom langjährigen Mittel.  Auffallend sind die vielen teils deutlich zu warmen Gebiete. Die Globale Temperatur liegt aktuell rund 1°C über dem Normwert. Besonders extrem ist die Situation aktuell im nördlichen Polargebiet. Um Spitzbergen liegt die Temperatur aktuell 20°C höher als üblich zur Jahreszeit! Das wäre wie wenn es bei uns mitten im Dezember eine Woche sommerlich warm mit Tageshöchstwerten um 25°C würde.

Danach ist es wohl kaum verwunderlich, dass die Ausdehnung des Eises im Polargebiet akutell die tiefste je gemessene ist. (Diagramm)

Dementsprechend ist auch die Schneebedeckung des eurasischen Kontinents rekordtief.

Was hat das für Folgen?

Da Sibirien und das Polargebiet teils massiv überdurchschnittliche Temperaturen aufweisen, wird der Schnee und das Eis weiterhin stark schmelzen. Schnee und Eis haben einen sehr hohen Albedo, das bedeutet, sie reflektieren einen  sehr grossen Anteil des Sonnenlichts. Folglich nehmen sie nur einen minimalen Anteil der Strahlungsenergie als Wärme auf. Je geringer die Schnee- und Eisbedeckung ist, desto weniger Sonnenlicht wird reflektiert. Insbesondere eine geringe Schneebedeckung hat zur Folge, dass das Festland freigegeben wird, welches einen hohen Albedo besitzt und somit die Strahlungenergie aufnimmt. Dabei erwärmt es sich stark.

Im Polargebiet wird die Temperatur in den kommenden Monaten, mindestens bis im August, massiv über dem Normwert liegen und die Eisbedeckung könnte diesen Sommer ein Rekordminimum erreichen. Auch in Sibirien erwarte ich zumindest bis im Sommer deutlich höhere Temperaturen als üblich.

Dies hat zwei Folgen für Mitteleuropa:

Erstens ist keine eisige Kälte mehr zu erwarten, da die üblicherweise eiskalten polaren und sibirischen Luftmassen wie beschrieben zu warm sind. Natürlich ist Frost trotzdem zu erwarten, aber ungewöhnliche Kälte ist praktisch unmöglich.

Zweitens könnte die warme Arktis den Westwind schwächen. Mein Gedankengang ist folgender:
Die Westdrift, die Mitteleuropa die wechselhaften Westwindlagen verschafft, wird durch den Temperaturunterschied zwischen der Arktis und dem Äquator angetrieben. Um den Äquator sind die Temperaturen nur leicht erhöht, in der nördlichen Polarregion ist es derzeit verbreitet massiv zu warm mit Abweichungen von verbreitet 5 bis 10°C. Der Temperaturunterschied sinkt durch den extrem warmen Norden und den vergleichsweise normal warmen Äquator. Daher müsste die Westdrift in der kommenden Zeit eher schwächer als üblich sein. Dies ist aber nur meine Interpretation, offiziell gültig ist diese „Regel“ meines Wissens nicht.

 

Auf der Karte der Temperaturanomalien sind aber auch kalte Flächen zu erkennen, wenn auch in starker Unterzahl. Über dem Atlantik besteht schon seit Monaten ein Kältepol, wohl verursacht durch den kalten Atlantik. Die Luft kann nicht wärmer als das kühle Meerwasser werden. Bei West- und Nordwestlagen wird die kühle Luft nach Mitteleuropa transportiert und sorgt hier für niederschlagsreiche, nasskalte Witterung.
Eine weiterer kalter Bereich befindet sich über dem östlichen Kanada. Strömt diese Kaltluft auf das verhältnismässig warme Meer hinaus, bilden sich vermehrt Tiefdruckgebiete, die nach Osten ziehen. Die Westdrift ist dann stärker als üblich, westiche Wetterlagen in Mitteleuropa sind häufiger. Ob das Kaltluftreservoir auch in der zweiten Märzhälfte für Tiefdruckbildung ausreicht, wird sich noch zeigen.

 

Das El-Niño-Phänomen ist nach wie vor präsent und ich habe deshalb kurz El-Niño-Jahre herausgesucht, um einen möglichen Einfluss zu ergründen. Der März wird dann tenenziell eher kälter, der April und Mai dagegen wärmer als üblich. Ausserdem hat sich gezeigt, dass im März die NAO eher überdurchschnittliche Werte aufweist. Dies deutet auf eine stärkere Westdrift hin. Im April hat sich eine leichte Tendenz zu einer unterdurchschnittlichen NAO ergeben. Dies würde die Wahrscheinlichkeit von wärmeren Ostlagen im Verlaufe des Frühlings erhöhen und deckt sich mit der Auswertung bezüglich der Temperaturen.

 

Zum Schluss möchte ich noch auf die akutelle Wetterlage eingehen. Nein, ich meine nicht den heutigen Schnee bei uns, sondern die Grosswetterlage.

Die aktuelle Wetterkarte können Sie wenn gewünscht hier abrufen:

http://www.wetterzentrale.de/topkarten/tkavnar.htm

Das Azorenhoch ist kräftig und reicht bis zu den Britischen Inseln. Tiefdruckgebiete müssen das Hoch weiter im Norden umgehen, um dann auf der Ostflanke des Hochs nach Süden zu ziehen. Daher liegt Mitteleuropa aktuell unter einem Trog, wobei teils kalte Luftmassen aus nördlicheren Gebieten zu uns gelangen.
Solange das Azorenhoch kräftig bleibt und die direkte Anströmung vom Altantik her blockiert, bleibt der Trog über Mitteleuropa bestehen. Dabei kommt es vorwiegend zu Nordwestlagen mit häufigen Tiefdruckgebieten. Bei dieser Konstellation gelangt die relativ kühle Luft vom Atlantik zu uns.

 

 

Ich fasse zusammen:

Im März erwarte ich insbesondere in der ersten Hälfte eine positive NAO, also eine stärkere Westdrift als üblich. Solange aber das Azorenhoch die direkte Zugbahn nach Mitteleuropa blockiert, kommt es häufig zu Troglagen und nordwestlicher Anströmung. Die Witterung ist dann in der Nordschweiz trüb, nass und für die Jahreszeit häufig leicht kühl. Bedeutende negative Abweichungen der Temperatur erwarte ich aber nicht.
Zeitweise ist etwas Schnee bis in tiefe Lagen weiterhin möglich, allerdings ist die Luft dann nicht genug kalt für einen nachhaltigen Wintereinbruch. Es ist eher nasskalt.
Auch wenn es zwischenzeitlich einmal zu nördlicher oder nordöstlicher Anströmung mit Zufuhr sibirischer oder polarer Luftmassen kommen würde, wäre die Kälte sehr gemässigt und starke Fröste unwahrscheinlich.
Im weiteren Verlaufe des Frühlings rechne ich derzeit mit einer Abschwächung der Westdrift, wobei dies unsicher ist. Würde es aber eintreffen, könnten östliche Wetterlagen Überhand gewinnen. Die Folge wäre niederschlagsarme, warme und häufig sonnige Witterung. Es ist möglich, dass diese Umstellung schon in der zweiten Märzhälfte einsetzt.

 

 

Endgültige Prognose:
Die erste Märzhälfte wird tiefdruckbestimmt, nass und eher leicht unterkühlt ausfallen. Schnee bis in tiefere Lagen ist ab und zu möglich, ein nachhaltiger Wintereinbruch unwahrscheinlich, da keine strenge Kälte erwartet wird.
Im weiteren Verlauf ist eine zunehmende Umstellung zu stabilerer Witterung möglich. Diese Umstellung ist aber noch unsicher und könnte sich, falls sie stattfindet, auch bis in den Aprill hinauszögern. Dann würden Hochdruckgebiete mit Ostlagen die Überhand nehmen. Dies würde zu unterdurchschnittlichen Niederschlägen und erneut überdurchschnittlichen Temperaturen führen.

In Summe erwarte ich einen normalen bis leicht zu kühlen und nassen März 2016. Die Temperatur wird etwa 0 bis 1°C unter dem Normwert liegen.

Eine klare Aussage für den Frühling will ich nicht machen, da das Risiko einer Fehlprognose erhelblich wäre. Aber nach meinen Erkenntnissen geht die Tendenz in Richtung warm.

 

WICHTIG:

Beachten Sie, dass meine Langfristprognosen experimentell sind. Ich sammle immer mehr Erfahrung auf dem Gebiet und lerne aus Fehlprognosen. Teilweise stützte ich mich etwas auf die Langfristprognosen von Fotometeo und Orniwetter.

 

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