Langfristprognose November für die Nordschweiz

Da ich Morgen kaum Zeit haben werde, erstelle ich die Prognose für den November 2016 schon heute. Falls sich etwas Grundlegendes ändern sollte, gäbe es am Montag ein Update.

Der November gehört kalendarisch gesehen noch zum Herbst. Allerdings treten gegen Ende des Monats nicht selten die ersten Schneefälle und vorwinterlichen Kälteeinbrüche auf, wie in den Jahren 2012 und 2013. Andererseits sind gerade bei Föhn im Extremfall Temperaturen von fast 20°C möglich, im Rheintal sogar noch mehr.

Bringt der dritte Herbstmonat des Jahres 2016 uns schon einen Vorgeschmack auf den Winter oder einen verspäteten Altweibersommer?

Ich möchte gleich zu Beginn darauf hinweisen, dass diese Prognose experimentell ist. Es wird versucht einen allgemeinen Trend abzuschätzen, das Risiko einer Fehlprognose ist aber bei Langfristprognosen erheblich.

Wenn Sie sich nur für das Ergebnis interessieren, können Sie bis ganz nach unten bis zum Fazit scrollen. Diejenigen, die wissen möchten, wie ich darauf gekommen bin, können sich die Erklärungen durchlesen.

Als erstens möchte ich einen Blick auf den Trend der kommenden zwei Wochen werfen. Dafür sind Ensemble-Diagramme sehr gut geeignet. Solche Diagramme zeigen die verschiedenen Möglichkeiten auf, die verschiedene Modellläufe berechnet haben. Je weiter die Linien auseinandergehen, desto unsicherer ist die Prognose. Die dicke rote Linie zeigt die mittlere Temperatur in der betreffenden Jahreszeit. Das hier verwendete Diagramm veranschaulicht die Ergebnisse des Modells „GFS“.

gfs-ensemble-30-10-2016

Quelle: http://old.wetterzentrale.de

Aktuell liegen die Temperaturen über dem Normwert. Anfangs November wird kältere Luft herangeführt, sodass bis auf 1000 Meter Meereshöhe ein paar Schneeflocken möglich sind. Danach nimmt die Unsicherheit deutlich zu. Generell folgt um den 5. November ein kurzer Warmluftvorstoss, aber danach sinken die Temperaturen wieder und bleiben bis zur Monatsmitte eher unterdurchschnittlich. Schnee bis in tiefere Lagen wäre hierbei kurzzeitig nicht auszuschliessen, aber ein Wintereinbruch scheint vorerst nicht auf dem Programm zu stehen. Bis zum 5. November ist es recht trocken, danach fallen häufiger Niederschläge. Allerdings werden die Mengen in der Ostschweiz etwas geringer sein als auf dem Diagramm, das eher für den Schwarzwald gilt, gezeigt. Aber beim Diagramm für den Gitterpunkt nahe Mörschwil fehlt das langjährige Mittel, das doch sehr wichtig ist.

Zusammengefasst steht die erste Novemberhälfte eher im Zeichen nasskalter Witterung mit zeitweiligen Niederschlägen und leicht unternormalen Temperaturen.

 

Die nasskalte Witterung entsteht durch wiederholte Tröge über Mitteleuropa. Diese fehlten in den vergangenen Wintern über weite Strecken und damit waren Kälteeibrüche auch sehr selten. Der Grund für die plötzlichen Troglagen seit Anfangs Oktober ist eine gestörte Zirkulation. Normalerweise kühlt die Polarregion im Herbst mit Beginn der Polarnacht stark aus, sodass sich dort ein riesiger mit Kaltluft gefüllter Tiefdruckwirbel – Polarwirbel genannt – bildet, der bei uns für milde Westwinde und Stürme sorgt. Dieses Jahr ist das nicht der Fall.

Aufgrund der extrem geringen Eisausdehnung im Sommer frieren die Wasserflächen später zu und geben viel Wärme an die darüberliegende Luft ab. So lässt sich erklären, wieso ein Grossteil der Arktis aktuell extrem warm ist. Die Temperatur ist gemittelt rund 6 Grad über der Norm, teilweise werden Abweichungen bis 20 Grad erreicht! Das wäre wie wenn bei uns mitten im Winter Sommerwetter herrschen würde!

Quelle: http://www.karstenhaustein.com

Quelle: http://www.karstenhaustein.com

Zudem ist zu erkennen, dass es in Asien aktuell sehr kalt ist. Dies ist wahrscheinlich eine Folge der warmen Arktis: Wasserflächen des Meeres, die noch nicht zugefroren sind geben Wärme an die Luft ab, was zur Bildung von Tiefdruckgebieten führt. Diese bringen Schee nach Asien. Schnee reflektiert ein Grossteil der Sonneneinstrahlung und wirkt daher kühlend.

Die ungewöhnliche Kombination der extrem warmen Arktis mit dem extrem kalten Asien muss grössere Auswirkungen haben. Ich denke, dass die angesprochene gestörte Zirkulation mit dem äusserst schwachen Polarwirbel eine Folge der Temperaturextreme sind. Der Polarwirbel lebt von Temperaturunterschieden. Normalerweise nimmt die Temperatur vom Nordpol nach Süden hin stark zu. Aber in Richtung Asien ist die Temperaturzunahme aktuell sehr gering, was wahrscheinlich die Ursache für den schwachen Polarwirbel ist.

Die Arktische Oszillation (AO-Index) ist ein Mass für die Stärke des Polarwirbels. Ein negativer Wert bedeutet einen schwachen Polarwirbel und umgekehrt. Wie das folgende Diagramm zeigt, hatte der Polarwirbel Anfangs Oktober nach dem Sommer-September 2016 einen massiven Schwäche-Anfall und bleibt seither schwach.

Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov

Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov

Doch was bedeutet ein schwacher Polarwirbel für uns? Bei einem starken Polarwirbel herrschen milde Westwinde vor und es kommt nur selten zu Trögen, die kalte Luft aus Norden heranführen. Ist der Polarwirbel allerdings geschwächt, kommt es häufiger zu Trögen. Damit wird Kaltluft weit nach Süden und Warmluft weit nach Norden verfrachtet. Für die Schweiz erhöht sich im Winter die Wahrscheinlichkeit eines Kälteeinbruchs.

Wie das Diagramm zeigt, sollte der Polarwirbel bis auf weiteres geschwächt sein und damit eine gestörte Zirkulation vorliegen.

Es existiert noch ein weiteres Mass für die Westwindzirkulation: Der NAO-Index. Er ist dem AO-Index ähnlich, allerdings bezieht sich der AO-Index auf die gesamte Nordhemisphäre, während der NAO-Index die Stärke der Westdrift über dem Atlantik zeigt.

Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov

Quelle: http://www.cpc.ncep.noaa.gov

Auch hier werden negative Werte vorhergesagt, also bleibt die Westwindzirkulation schwach.

Da weiterhin mit einer schwachen Westwindzirkulation und einem schwachen Polarwirbel gerechnet wird, sind in der kommenden Zeit häufiger Trogwetterlagen zu erwarten und damit generell unterdurchschnittliche Temperaturen.

Wahrscheinlich bleibt der Polarwirbel bis in den Dezember, möglicherweise sogar den ganzen Winter hindurch geschwächt. Für den November bedeutet dies, dass wiederholt Kaltlufteinbrüche auftreten, die in der zweiten Monatshälfte für die ersten nennenswerten Schneefälle in tiefere Lagen sorgen könnten.

Für starke Kälteeinbrüche müsste sich allerdings eine Ostlage einstellen. Dafür wäre ein kräftiges Skandinavienhoch nötig. GFS modelliert aktuell dort häufiger Tiefdruckgebiete und nur ab und zu ein schwaches Hoch. Eine richtige Ostlage scheint derzeit eher unwahrscheinlich. Die Kaltluftvorstösse dürften daher recht gemässigt ausfallen mit nur knappen Minusgraden. Eisige Frostnächte unter -6°C scheinen mir vorläufig unwahrscheinlich. In der ersten Monatshälfte ist ein solches Szenario sogar so gut wie ausgeschlossen.

Zwischen den Kaltlufttrögen dürfte die Grundströmung über Mitteleuropa auch kurzzeitig auf Südwest drehen und milde Luft heranführen. Dabei sind allerdings nur mässig milde Temperaturen zu erwarten, richtig warme Witterung dürfte nicht auftreten.

In der ersten Monatshälfte erwarte ich somit einen Wechsel zwischen warmen Tagen mit Höchsttemperaturen von 8 bis 13°C bei Minimumwerten von rund 3°C und kälteren und nassen Trogwetterlagen mit Höchstwerten von 5 bis 9°C und Minimalwerten von 2 bis 5°C.

Mit der jahreszeitbedingten Abkühlung sinken die Temperaturen in der zweiten Monatshälfte bei wärmeren Phasen auf Höchstwerte zwischen 6 und 11°C aber in den Nächten ist Frost möglich. Bei Trogwetterlagen liegen die Maxima zwischen 1 und 6°C, wobei auch erster Schnee fallen kann. Die Nächte können dann ebenfalls frostig sein.

Die geschwächte Westwindzirkulation deutet ausserdem darauf hin, dass weniger Feuchtigkeit in die Schweiz gelangt und die Niederschläge eher geringer ausfallen werden als normal. Übliche oder leicht höhere Niederschlagsmengen erwarte ich dagegen den Voralpen entlang im Nordstau.

 

Was meinen andere Langfristmodelle?

CFS sieht einen normalen November:

Quelle: http://flaeming-wetter.bplaced.net

Quelle: http://flaeming-wetter.bplaced.net

 

Unsere östlichen Nachbaren setzen ebenfalls auf einen normalen November. Allerdings ist die Prognose wahrscheinlich schon einige Wochen alt. Die Aktualisierung folgt wohl am Montag.

Quelle: www.zamg.ac.at

Quelle: www.zamg.ac.at

 

Meteoschweiz erwartet in den ersten drei Wochen unterdurchschnittliche Temperaturen und in der vierten überdurchschnittliche. Im Monatsmittel würde dies leicht unternormalen Temperaturen entsprechen.

 

Fazit:

Der November wird wahrscheinlich normal bis leicht kälter als üblich. Die erwartete Abweichung der Temperatur vom Normwert beträgt 0 bis -1°C. Im Mittelland erwarte ich eine leicht unterdurchschnittliche Niederschlagsmenge, den Voralpen entlang dürfte sie im Normalbereich oder leicht darüber liegen. Eine weitere Schweizer Bloggerin – Fabienne Muriset wird Morgen Ihre Vorhersage für den November herausgegen. Ich werde diese dann hier auch verlinken. Ich bin schon gespannt darauf, wie ihr Ergebnis lautet. Hoffentlich ähnlich, denn dies würde die Chancen auf Schnee erhöhen, der einfach zur dunklen Jahreszeit dazugehört finde ich.

UPDATE 1.11.2016: Fabienne Muriset geht ebenfalls von einem eher kalten und trockenen November aus. Auch GFS lässt relativ kalte Witterung erwarten, wobei ab kommendem Montag die Wahrscheinlichkeit für kurzzeitigen Schneefall in tiefe Lagen ansteigt. Derzeit ist es aber unwahrscheinlich, dass es wirklich weiss wird.

Aber generell sieht der November für alle Winterfreunde vielversprechend aus nach den vergangenen Mildwintern. Aber ob der Dezember dem Trend zu kalter Witterung folgen wird, was uns seit langem wieder einmal ordentliches Winterwetter bescheren würde, lässt sich zum jetzigen Standpunkt nicht sagen. Ich würde aber behaupten, dass die Chancen dafür aufgrund des gestörten Polarwirbels deutlich besser als in den vergangenen Jahren stehen.

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