(Verspäteter) Wetterrückblick Februar und Winter

Dank eines neuartigen Klimaphänomens Namens „WACCy“, sind kalte Winter bei günstigen Wetterlagen sogar in Zeiten der rasanten Klimaerwärmung noch hin und wieder mit von der Partie. WACCy steht für „Warm Arctic – Cold Continents“. Das y wurde spasshalber angehängt, da „waccy“ (engl.) verrückt bedeutet.

Da die Eisausdehung der Arktis immer weiter abnimmt, sind immer mehr offene Wasserflächen vorhanden, die Feuchtigkeit und Wärme für die Wolkenbildung spenden. Die entstehenden Schneefallgebiete ziehen in Richtung Sibirien, wo sie das Land einschneien. Über Schnee kühlt die Luft in klaren Nächten extrem stark aus, sodass sich ein riesiges Kältereservoir bildet. Bei günstigen Wetterlage kann Europa diese Kälte anzapfen. Somit sind die Kontinente teils stark unterkühlt, während in der Arktis extrem hohe Temperaturen gemessen werden.

Das man den vergangenen Winter überhaupt einen Winter nennen konnte, haben wir dem „WACCy“-Effekt zu verdanken.

„WACCy“ in Aktion: Situation im Dezember 2016 mit sehr warmer Arktis und kalten Kontinenten. (Quelle: http://www.karstenhaustein.com/climate)

Im Dezember wurde die Kälte unter Hochdruckeinfluss in den tieferen Lagen minimal angezapft, sodass der Monat im Mittelland um 0.5 bis regional 1.5°C unterkühlt war. Auch in Mörschwil schloss der Dezember 2016 mit einem Minus von 0.9°C gegenüber der Normperiode 1981 bis 2010 ab. In höheren Lagen trieb ein Subtropenhoch und fast pausenloser Sonnenschein die Temperaturen teilweise auf extreme 4 Grad über der Norm hinauf. Das ist Frühling mitten im Winter wie bereits im Vorjahr!

Doch überraschend fand das bangen um den Winter im Januar ein Ende: Mit einer Nordostströmung kam die sibirische „WACCy“-Kälte nach Mitteleuropa und blieb auch. Auch wenn die Tiefstwerte recht normal waren, brachte es die Kälte durch ihre lange Dauer unter dem Strich zustande, dass der Januar zum kältesten seit 30 Jahren wurde! Auf der Alpennordseite lag die Temperatur rund 3 Grad unter der Norm. In Mörschwil konnte sich die Kälte verglichen mit dem Mittelland besser halten, sodass der Januar gar mit einem Minus von 3.5°C abschloss. Ein richtiger Wintermonat – im Klimawandel zunehmend eine Seltenheit.

Es kam, wie es kommen musste: Im Februar war das Kaltluftreservoir aufgebraucht und milde Westwinde übernahmen wieder das Regime. Das Urteil war besiegelt: Den ganzen Februar lang hatte der Winter keine Chance mehr, sodass in der Statistik kein einziger Tag mit einer Schneedecke vermerkt werden konnte. In der zweiten Monatshälfte stiegen die Temperaturen fast täglich über 10 Grad. 2.5 Grad milder als normal – so lautete die ernüchternde Bilanz, nachdem der Januar die Hoffnung auf einen Eiswinter geweckt hat.

Trotz dem unwinterlichen Ende schaffte es der Winter 2016/2017 wieder einmal unter die Norm. Er war in Mörschwil 0.6°C kälter als der Durchschnittswinter von 1981 bis 2010. In den höheren Lagen war der Winter dagegen viel zu warm mit einem Plus von 1.5 bis 2 Grad.

 

Auch der März wird ziemlich sicher deutlich zu mild. Derzeit beträgt der Temperaturüberschuss 1.5 Grad und bis zum Monatsende dürfte die 2 Grad-Marke locker überschritten werden. Die Reihe der viel zu milden Monate setzt sich nach dem „WACCy“-Dämpfer fort. Nachdem sich der Polarwirbel jetzt auflöst, verteilt sich die Wärme wieder über die ganze Nordhalbkugel, sodass ein deutlich zu warmer Frühling und Sommer wahrscheinlich sind. Einzig häufige Nord- oder Nordostlagen könnten die Temperatur auf die Norm drücken. Wir können nur hoffen, dass der Sommer häufige Bisenlagen bringt und damit einigermassen erträglich bleibt. Oder müssen wir einen Sommer wie 2015 befürchten? Hoffen wir es nicht!

 

 

 

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