Wetterrückblick 2021

Das zehnte Jahr meiner Wetterbeobachtungen ist zu Ende gegangen. Zeit, um kurz mit Statistiken und Bildeindrücken auf das Wetterjahr 2021 zurückzublicken. Ein Vergleich der Jahrestemperatur mit den Vorjahren ist nicht möglich, da die Wetterhütte wegen Bauarbeiten von Mitte Mai bis September an einen anderen Standort verschoben werden musste. Dadurch wurden andere Temperaturen aufgezeichnet, als am üblichen Standort geherrscht hätten. Daher vergleiche ich nur die mittlere Temperatur der restlichen Monate mit diesem Zeitraum der Vorjahre. In dieser Zeitspanne lag die Temperatur im Jahr 2021 im Schnitt bei 4.5 Grad. Kälter war es seit Messbeginn im Jahr 2012 noch nie, nur im Jahr 2013 wurde dieselbe Temperatur gemessen. Die Niederschlagsaufzeichnung ist vollständig und zeigt, dass das Jahr 2021 leicht nasser war als der Durchschnitt von 2012 bis 2020. Trotz verregnetem Sommer beträgt die Abweichung nur 4 %.

Januar und Februar brachten mal richtigen Winter mit einer Schneebombe, mal etwas Frühling. Der Frühling selbst war kühl, sogar im April gab es noch strengen Frost. Nach einem Juni mit viel Badewetter fiel der Hochsommer komplett ins Wasser. Dafür entschädigte ein trockener Herbst. Der Winter kam pünktlich, konnte sich aber im Dezember nicht vollständig durchsetzen.

Im Jahresbericht vergleiche ich häufig Temperaturen und Niedeschläge mit dem Durchschnitt. Meteoschweiz verwendet für solche Vergleiche Mittelwerte über 30 Jahre. Meine Datenreihe, mit der ich in diesem Bericht vergleiche, umfasst nur die neun Jahre 2012 bis 2020. Als erstes komme ich zu den nackten Zahlen:

MonatTemperatur
[°C]
Mittel 2012-2020
[°C]
Abweichung
[°C]
Niederschlag
[mm]
Mittel 2012-2020
[mm]
Abweichung
[%]
Januar0.50.9-0.4205.393.2+120
Februar3.72.8+0.971.070.6+1
März5.26.4-1.268.871.8-4
April7.810.4-2.622.9104.9-78
MaiN/AN/AN/A177.0157.4+12
JuniN/AN/AN/A124.3164.6-24
JuliN/AN/AN/A253.7128.3+98
AugustN/AN/AN/A192.1168.6+14
SeptemberN/AN/AN/A62.3125.1-50
Oktober8.610.7-2.147.1110.7-57
November3.65.6-2.055.880.4-31
Dezember2.12.2-0.1134.588.5+52
JahrN/AN/AN/A1414.81364.1
+4

Im folgenden werden die einzelnen Monate betrachtet.

Januar

Traumhafte Winterstimmung in Mörschwil am 15. Januar nach ungewöhnlich starken Schneefällen.

Der Januar war etwa so kalt wie üblich, aber extrem niederschlagsreich. Es fiel das Doppelte der normalen Niederschlagsmenge, wobei durch Schneefälle eine gewisse Unsicherheit besteht. Im ersten Drittel war es winterlich kalt und das Thermometer stieg an vier Tagen gar nicht über den Gefrierpunkt. Das wohl grösste Ereignis des Jahres für Mörschwil waren aussergewöhnliche Schneefälle am 14. und 15. Januar. In nur wenig mehr als 24 Stunden fiel in der Ostschweiz vielerorts über ein halber Meter Schnee. In Mörschwil waren es 57 Zentimeter. So intensiver Schneefall tritt in den tiefen Lagen der Ostschweiz nur wenige Male pro Jahrhundert auf. Auf die Schneemassen folgte ein hochwinterliches Wochenende mit bis zu -9 Grad kalten Nächten und zwei Tagen, an denen die Temperatur unter 0 Grad verharrte. Anschliessend war es zeitweise recht mild mit ein paar Grad über dem Schnitt. Ein bemerkenswerter Wintersturm fehlte.

 

Februar

Zürich im zarten Winterkleid am 12. Februar zu Beginn einer kurzen Kältewelle. Meist war es aber grün und mild.

Der Februar war insgesamt relativ mild und brachte durchschnittlichen Niederschläge. Es gab aber krasse Gegensätze: Zum Monatsbeginn und in der zweiten Monatshälfte war es frühlingshaft mild. Die Temperaturen lagen meist 3 bis 6 Grad höher als der Schnitt der Vorjahre. Am 22. Februar wurden sogar 15.9 Grad gemessen, nur zwei Grad weniger als die höchste Temperatur in einem Winter.  Dazwischen gab es mit einer kurzen, knackigen Kältewelle sehr tiefe Temperaturen von 10 Grad unter dem Mittel und einen Wintereinbruch. Drei Tage lang verharrte das Thermometer unter dem Gefrierpunkt und es gab einige eisige Nächte. Am 14. Februar fiel die Temperatur auf -12.9 Grad, eine der tiefsten Temperaturen seit Messbeginn 2012. Auch der Februar brachte, im starken Gegensatz zum Vorjahr, ebenfalls keinen bemerkenswerten Wintersturm.

 

März

Mit einem relativ kühlen, durchschnittlich nassen März begann ein mühsamer Frühling. Nach dem der Winter im Februar scheinbar einen frühen Abgang gemacht hatte und es Mitte März erneut recht mild wurde, kam es nach der Monatsmitte zu einem spätwinterlichen Kälterückfall mit relativ tiefen Temperaturen und Nachtfrösten. Das Monatsende brachte hingegen Frühlingswärme mit über 20 Grad. Leider fand ich kein einziges Wetterbild für den März.

 

April

Abendstimmung über dem Bodensee nach einem frühlingshaft warmem 11. April. In den ersten zwei Monatsdritteln war Frühlingswärme auf wenige Tage beschränkt.

Der April war an meiner Wetterstation der kälteste und zugleich trockenste seit Messbeginn. Auf einen warmen Start mit über 20 Grad folgte ein happiger Kälterückfall mit bis zu 10 Grad tieferen Temperatur als üblich, strengen Nachtfrösten und Schnee. Am 6. April wurden Morgens für den Monat äusserst kalte -6.6 Grad gemessen. Sogar der Rekord für den gesamten Frühling von -7.8 Grad lag nicht weit entfernt. Auch um die Monatsmitte gab es bei rund 5 Grad zu tiefen Temperaturen noch einmal Frost. Vom 15. bis 28. April blieb es trocken und im letzten Drittel kehrte endlich der Frühling ein mit jahreszeittypischen 15 bis 19 Grad und viel Sonne. Der April brachte sehr viele Frosttage, insgesamt neun.

 

Mai

Diese Bild beschreibt den Mai gar nicht schlecht. Grauer Himmel und kühle Temperaturen beim Aufzug eines Graupelgewitters am 17. Mai.

Auch der Mai verlief deutlich zu kalt und dazu fiel etwas mehr Regen als üblich. Nach einem verregneten Monatsbeginn sorgte Föhn am 9. und 10. Mai kurz für deutlich überdurchschnittliche, sommerliche Temperaturen bis 28 Grad. Das war es dann auch schon mit den Sommergefühlen: Es folgte anhaltend kühle Witterung mit rund 4 Grad zu tiefen Temperaturen, häufigem Regen und ein paar Gewittern. Erst am letzten Tag wurde die 20-Grad-Marke wieder überschritten. Da die Wetterhütte Ende Mai wegen Bauarbeiten an einen anderen Standort verschoben werden musste, beziehen sich die Temperaturangaben bis September auf den Ersatzstandort. Tagsüber rechne ich ein Grad zu den gemessenen Temperaturen, um das veränderte Mikroklima zu berücksichtigen.

Juni

Am 13. Juni war es im Waadtländer Jura traumhaft sommerlich. Der Juni war geprägt von Badewetter, während extreme Hitze ausblieb.

Nach den verhaltenen Temperaturen des Frühlings startete der Sommer für Badefreunde vielversprechend mit einem relativ warmen und trockenen Juni. Vom 10. bis 20. Juni herrschte sommerliches Badewetter mit meist 3 bis 7 Grad über dem Schnitt. An drei Tagen stieg die Temperatur auf mindestens 30 Grad und der 17. Juni war mit etwa 32 Grad der heisseste Tag des Sommers. Die Nächte waren teils unangenehm warm, da die Temperatur teilweise nicht unter 19 Grad fiel. Das kann aber auch am Ersatzstandort der Temperaturmessung gelegen haben. Ein Hagelgewitter zog am 29. Juni mit etwa zwei Zentimeter grossen Körnern über Mörschwil. Ein Gewitter einer ganz anderen Liga kam die Region um den Sempachersee am Tag zuvor zu spüren. Hagelkörner mit 7 bis 10 Zentimeter Durchmesser führten sogar an Gebäuden zu massiven Schäden, deren Reparaturen nach einem halben Jahr noch nicht abgeschlossen sind. Ich befand mich zufällig nur 10 Kilometer von der Schneise dieses Schwergewitters entfernt.

Juli

Der Sommer hatte bereits im Juni sein Pulver verschossen. Der Juli war verregnet, was vielerorts zu Überschwemmungen und Hochwasser führte – wie hier an der Limmat in Zürich am 14. Juli.

Auf den Badewetter-Juni folgte ein kühler, verregneter Juli. Er war nach dem August 2020 der nasseste Monat seit Messbeginn. Vom Hochsommer fehlte jede Spur: Nur selten stieg das Thermometer auf 25 Grad und die 30-Grad-Marke blieb unerreicht. Während im Juli normalerweise an etwa 14 Tagen Regen fällt, waren es dieses Jahr 22 Tage. Am 8. Juli prasselten 61 mm Regen vom Himmel und im Thurgau, wo der Regen noch ergiebiger war, kam es zu Überschwemmungen. Immerhin gab es vom 19. bis 23. Juli ein kurzes trockenes, sommerlich warmes Intermezzo. Dieses wurde am 24. Juli von kräftigen Gewittern abgelöst. Während Mörschwil verschont blieb, hagelte es im Appenzellerland und Rheintal kräftig.

 

August

Auch im August kam der Sommer nicht auf Touren. Er war kühl, aber immerhin nicht so regenreich wie sein Vormonat. Der 1. August zeigte sich regnerisch und mit 6 Grad unter dem Mittel und einem Höchstwert von 16 Grad kühl. Vom 10. bis 15. August gab es noch einmal eine der raren trocken-warmen Badewetterphasen des Sommers 2021 mit überdurchschnittlichen Temperaturen. Die letzten Tage änderten am Gesamtbild des Sommers nichts mehr: Es war mit 16 bis 21 Grad mehrere Grad kühler als für den August üblich. Der Eindruck, dass der Sommer 2021 ins Wasser fiel, trügt nicht: Er war es in Mörschwil mit 570 mm Niederschlag der zweitnasseste Sommer seit Messbeginn. Der vergangene Sommer 2020 war mit 588 noch ein wenig nasser, hauptsächlich durch ergiebige Niederschläge im August.

 

September

Blick vom Säntis in Richtung Bodensee bei fantastischem Spätsommerwetter. Der September entschädigte ein wenig für den ausgefallenen Hochsommer.

Als Entschädigung für den verregneten Sommer zeigte sich der September eher warm und trocken. Während den ersten neun Tagen herrschte niederschlagsfreies und für die Jahreszeit relativ warmes Spätsommerwetter mit um 24 Grad. Der 15. September brachte ein für die fortgeschrittene Jahreszeit ziemlich kräftiges Gewitter. Es fielen 10 mm Regen und es schlugen mehrere Blitze auf Mörschwiler Gemeindegebiet ein.

 

Oktober

Blick vom Selun, einem der Churfirsten, in Richtung Nesslau. In der Höhe liegt bereits Schnee und über dem Mittelland ist eine Hochnebeldecke zu erkennen.

Der Oktober war kühl und trocken. Kurze Niederschlagsphasen unterbrachen längere trockene Phasen. Der Grossteil des Monats brachte unterdurchschnittliche Temperaturen, aber die Nächte blieben frostfrei. Die Höchstwerte lagen meist zwischen 10 und 15 Grad, während am 20. Oktober die 20-Grad-Marke noch einmal erreicht wurde.

 

November

Abendstimmung auf der Hohen Buche bei Speicher am 20. November. Die Flucht aus dem Nebel in die Höhe lohnte sich.

Auch der November war kühl und trocken. Nach einem eher milden Beginn wurde es im Verlauf des Monats immer kühler. Am 6. trat der erste Frost ein, aber die meisten Nächte blieben immer noch frostfrei. Zum Monatsende schneite es bei Höchstwerten um 1 bis 4 Grad zum ersten Mal. Mit drei trockenen Monaten in Folge war der Herbst im starken Gegensatz zum Sommer der trockenste seit 2012.

 

Dezember

Der Dezember war durchschnittlich temperiert, brachte aber mehr Niederschlag als üblich. Im ersten Monatsdrittel fiel oft Schnee und Regen bei Temperaturen im normalen Bereich. Mit leichten, teils auch deutlichen Plusgraden war es aber insgesamt eher nasskalt als winterlich. Vom 12. bis 23. Dezember blieb es trocken und es wurde relativ kalt. Am 21. und 22. Dezember stieg die Temperatur den ganzen Tag nicht über den Gefrierpunkt und sank am 23. Dezember auf -5.4 Grad. Anschliessend wurde es pünktlich auf Heiligabend milder und regnerisch und somit gab es wie bisher immer seit Messbeginn grüne Weihnachten. Es war 3 bis 6 Grad wärmer als üblich und an Sylvester stieg die Temperatur mit Sonnenschein auf frühlingshafte 12.5 Grad.

 

 

 

 

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