Endbilanz Starkschneefall

Heute schneite es in Mörschwil so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr! In Summe wurden 24 cm in 24 Stunden gemessen. Der bisherige Rekord vom 16.Februar 2012 wurde damit gerade um 6 Zentimeter übertroffen!

Gestern Abend wurde mit 2 bis 8 Zentimeter Schnee gerechnet. Schon bis am Morgen um 7 Uhr fielen dann aber 10 Zentimeter. Tagsüber schneite es intensiv weiter, wobei weitere 14 Zentimeter fielen. Die Strassen waren dauernd Schneebedeckt, die Winterdienste kamen kaum nach. Glücklicherweise gab es kein Verkehrschaos, da es Sonntag ist. Trotzdem gab es laut Staumeldungen SG zwei Unfälle auf Autobahnen in der Ostschweiz. Der eine ereignete sich um halb zehn Uhr morgens auf der A1 zwischen Winkeln und Gossau, der andere am Abend zwischen Landquart und Maienfeld, wo es aber wahrscheinlich weniger geschneit hat. Insgesamt wurden 13 Meldungen wegen Unfällen, Verkehrsbehinderungen und Gefahrenmeldungen herausgegeben. Für einen Sonntag ist das viel.

Wieso wurde die Schneemenge derart massiv unterschätzt?

Hier gibt es zwei Hauptgründe: Einerseits liegt die Schweiz derzeit unter einer Nordöstlichen Windströmung. Die Luftmassen, die zu uns gelangen, überqueren zuerst den Bodensee, bevor sie uns erreichen. Der Bodensee ist bekanntlich recht gross und die Wassertemperatur ist viel träger als die Lufttemperatur. Im Sommer ist die Wassertemperatur im Schnitt geringer ist als die Lufttemperatur. Im Herbst kühlt die Luft immer mehr ab. Dann wird die Luft irgendwann kälter als das Wasser. Mit der Abkühlung beginnt dann auch die Wassertemperatur zu sinken. Allerdings geschieht das viel langsamer als bei der Lufttemperatur. Es entsteht eine immer grössere Differenz zwischen der Luft- und der Wassertemperatur. Etwa im Dezember ist der Unterschied am grössten. Wenn nun die eisig kalte Luft aus Nordosten über den Bodensee strömt, wird sie nahe der Seeoberfläche aufgewärmt und nimmt Feuchtigkeit auf. Da warme Luft eine geringere Dichte hat als kalte, steigt sie auf und kühlt sich ab. Sobald sie genug kalt ist, kondensiert das gasförmige Wasser und es bilden sich Wolken und in diesem Fall auch Niederschlag. Sobald die Luft wieder aufs Land strömt gibt es keinen Auftrieb mehr – die Wassertropfen oder Schneeflocken können nicht mehr in der Wolke gehalten werden und es regnet oder schneit. Mörschwil, zumindest der Standort meiner Wetterstation, liegt auch 160 Meter höher als der Bodensee. Wenn die Luft nun den Hügel hinaufstömt, wird sie zusätzlich angehoben und kondensiert. Die Folge ist noch mehr Niederschlag. Dieser Effekt wird als „Lake effect“ bezeichnet, was übersetzt „Seeeffekt“ bedeutet, eine offizielle deutsche Bezeichnung gibt es aber nicht. Die extremen Schneefälle in den USA im November waren dadurch verursacht worden, wobei das Gewässer der Atlantik war, deshalb war das Ereignis viel intesiver.

Der zweite Hauptgrund ist ganz einfach: Schnee hat verschiedene Dichten. Bei Nassschnee entspricht 1 mm Niederschlag etwa 0.8 cm Schnee. Bei Schnee, der sich gut zu Schneebällen formen lässt ergibt 1 mm Niederschlag etwa 1.5 cm Schnee. Ist die Temperatur deutlich unter 0°C fällt Pulverschnee. Dann ergibt 1 mm Niederschlag 2 oder mehr Zentimeter Schnee. Ich habe mit 1 mm = 1 cm gerechnet und somit nur halb soviel Schnee erwartet. Aber auch mit der korrekten Umrechnung hätte die Prognose nicht gestimmt. Das WRF-Wettermodell hat grauenhaft versagt in den letzten Tagen. Auch bei den Temperaturen heute Nachmittag lag es um 5°C daneben.

 

Durch den intensiven Schneefall wurde die Schneedecke heute so hoch wie noch nie seit Messbeginn vor 3 Jahren: 28 Zentimeter habe ich heute Abend gemessen. Anfangs 2012 habe ich allerdings nur ab und zu den Schnee gemessen, aber ich denke nicht, dass es mehr gab. Das bisher massive Jahresdefizit an Schnee wurde somit etwas ausgeglichen. Derzeit beträgt die Neuschneesumme 37 Zentimeter und in den kommenden Tagen dürften nochmals 5 bis 15 Zentimeter dazukommen.

 

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