Nachdem bereits im November der erste Schnee bis ins Flachland fiel, kannte der Dezember vor allem zwei Farben: Grün und Grau. Sowohl Schnee als auch Sonne waren nämlich absolute Mangelware. In meinem Blogbeitrag vom 14. Dezember beschäftigte ich mich mit der zu erwartenden Witterung für die zweite Monatshälfte. Meine Einschätzung zum letzten Dezemberdrittel lautete wie folgt:
…so dass nicht überrascht, dass kein oder nur spärlicher Niederschlag gerechnet wird. Auch wenn es noch so kalt wäre, ohne Niederschlag gibt es auch keinen Schnee. Vielmehr gibt es einfach noch mehr “unten grau, oben blau”. Dass die Wetterlage winterliche Überraschungen im neuen Jahr grundsätzlich ermöglichen würde, ist immerhin ein Strohalm, an den sich Winterfreunde wie ich vorerst klammern können.
Wie angekündigt dehnte sich das Azorenhoch auf die Weihnachtstage bis zu den britischen Inseln aus und unterbrach die milde Westströmung. Dies öffnete etwas kälterer, aber trockener Luft aus Nordosten die Tür, die an Heiligabend da und dort immerhin eine homöopathische Dosis Schneeflocken zustande brachte. Anschliessend dehnte sich das Hochdruckgebiet bis nach Mitteleuropa aus und brachte in den Bergen die milde Luft zurück. Wie erwartet änderte sich in den Niederungen kaum etwas – es blieb einfach grau.
Doch nun passiert genau das, wofür solche Blockaden der Westströmung bekannt sind und was der sprichwörtliche Strohhalm in obiger Prognose war: Ein Tiefdruckgebiet positioniert sich über dem Baltikum und führt an seiner Westflanke kalte Polarluft direkt nach Mitteleuropa, wie folgende Wetterkarte zeigt:

Wetterkarte vom 3. Januar 2026 mit Isobaren (weisse Linien) und Temperaturen in der freien Atmosphäre auf ca. 1500 Meter Meereshöhe (farbige Flächen). Der Schwarze Pfeil zeigt den Vorstoss der polaren Luftmasse in Richtung Mitteleuropa. Quelle: www.wetterzentrale.de
Den über Nacht gefallenen Schnee haben wir der warmen Nordsee zu verdanken, über der die trockene Polarluft Feuchtigkeit aufnehmen konnte. Auf der anderen Seite führt sie aber auch zu einer deutlichen Milderung der ursprünglich bissig kalten Luftmasse. So wird Mitteleuropa zwar einigermassen “eingewintert”, doch klirrende Winterkälte ist so nicht zu machen.
Die nächsten Tage liegt die Temepratur in der freien Atmosphäre (ca. 1500 m. ü. M.) 6 bis 10 Grad unter dem langjährigen Mittel für Anfang Januar. Wie kalt es in den Nächten wird, hängt von der Bewölkung und vom Wind ab. Je klarer der Himmel, desto effizienter kühlt es über dem Schnee ab, während Wind die bodennahe Auskühlung verhindert. Stand jetzt dürfte die Abkühlung in der Nacht auf Sonntag durch schwachen Wind leicht gedämpft sein. Die Tiefstwerte dürften meist zwischen -7 und -10 Grad liegen. Die Nächte auf Montag, Dienstag und Mittwoch werden hingegen voraussichtlich windstill, abgesehen von einzelnen Wolkenfeldern recht klar und dazu liegt etwas Schnee. Enstprechend dürften die Temperaturen noch etwas weiter absinken. Knapp zweistellige Minuswerte sind wahrscheinlich. Abgesehen von Muldenlagen dürfte meiner Einschätzung nach aber bei -11 bis -12 Grad Schluss sein, auch wenn gemäss dem europäischen Modell -13 Grad möglich wären. Tagsüber dürfte das Thermometer in der Ostschweiz weitgehend unter dem Gefrierpunkt verharren.
Nach den Wettermodellen übernimmt gegen Ende der kommenden Woche die Westdrift wieder das Zepter und führt zu Tauwetter. Stand jetzt dürfte das ungefähr Donnerstag/Freitag passieren. Da sich Kaltluft aber nicht so gerne vertreiben lässt, würde es mich nicht überraschen, wenn sich die Erwärmung noch etwas verzögern würde. Der Trend geht längerfristig hin zu milderer, eher nass-kalter Witterung. In der Übergangsphase ist weiterer Schnee zunächst noch möglich.

“Spaghetti-Diagramm” für die kommenden zwei Wochen. Jede Linie ist eine vom europäischen Wettermodell ECMWF gerechnete Möglichkeit. Oben ist die Temperatur auf ca. 1500 m. ü. m. gezeigt, unten die Niederschlagsmenge. Die weisse Linie bezeichnet das Mittel aller Möglichkeiten und die rote Linie den langjährigen Durchschnitt. Die nächsten Tage werden also kalt und trocken. Ab dem 8. Januar tritt eine allmähliche Erwärmung mit Niederschlägen ein, die Unsicherheiten nehmen aber rasch zu.
