Bedrohliche Gewitterfront

Das Jahr 2017 hat mit 24 Gewittern in Mörschwil die Vorjahre schon bisher weit in den Schatten gestellt. Von 2012 bis 2016 gab es im Mittel 15 Gewitter pro Jahr mit einer Variation zwischen neun und siebzehn. Auch wenn die Gewittersaison üblicherweise im August langsam ausklingt geht es dieses Jahr munter weiter beim Wetter. Mich freut’s…

Aus der heutigen Gewittervorschau:

„Heute werden Gewitter in erster Linie am Nachmittag über den Bergen ausgelöst, da ein anderer Auslöser, wie ein Trog fehlt, aber andererseits keine Unterdrückung durch einen Keil besteht. Die feuchtwarme Luft am Boden ist am Nachmittag nur noch minimal „gedeckelt“, das heisst es liegt kaum noch eine wärmere Schicht darüber, die Konvektion verhindert. Mit westlicher Höhenströmung ziehen die Gewitter den Voralpen entlang, ihre Abwinde können aber auch rasch und problemlos im Mittelland Zellen entstehen lassen. Für Superzellen ist die Windscherung zu gering, sodass sich wahrscheinlich ein Multizellencluster, also einfach ein Gebiet mit vielen Gewittern bilden wird. Dabei besteht wegen der hohen Feuchtigkeit vor allem die Gefahr von Starkregen mit lokalen Überflutungen. In einer Stunde können örtlich durchaus 30 bis 50 mm Wasser vom Himmel kommen. Solche Multizellencluster produzieren selten grösseren Hagel nach meiner Erfahrung, es sind aber Körner um einen Zentimeter Grösse zu erwarten, wegen der etwas erhöhten Windscherung vielleicht lokal gegen zwei Zentimeter. Auch Sturmböen sind in Gewittern möglich, vereinzelt können 100 Km/h erreicht werden – aber dieses mal wirklich nur vereinzelt in besonders starken Gewittern. Bei „normalen“ Gewittern erwarte ich heute nicht mehr als 75 Km/h.“

Da gibt es so gut wie nichts zu beanstanden. Abends zog eine Gewitterfront durch die Ostschweiz, wobei teilweise Sturmböen um 75 Km/h und nur vereinzelt orkanartige Böen über 100 Km/h erreicht wurden. Zudem trat lokal kleiner Hagel auf und auch Starkregen war dabei.

Ich musste arbeiten und konnte aus dem Fenster praktisch nichts sehen. Als ich das Gefühl hatte, jetzt würde es langsam dunkel, legte ich eine Pause ein – zum Glück kann ich die selber einteilen… – und habe es wirklich perfekt getroffen. Gerade zog die Gewitterfront mit einer spektakulär anmutenden Böenwalze heran. Seht selbst:

17:24, Horn Blickrichtung Südwest: Spektakulärer Aufzug der Gewitterfront. Etwas unterbelichtet… Ganz so wild sah es nicht aus.

Gleiche Ansicht, dieses Mal ein wenig Überbelichtet. Naja, von einer Handykamera mit Automatik kann man nicht die perfekte Belichtung erwarten…

Die mittlere Belichtung aus beiden Bildern wäre perfekt gewesen. Aber dafür, dass ich nicht einmal frei hatte, bin ich absolut und vollumfänglich zu frieden. Sinnvoller Abbau einer halben Überstunde. 😉 Es handelt sich übrigens um Panoramabilder von beinahe 180 Grad, die Gewitterfront war nicht rund, aber es sieht so aus. Kaum war die Böenwalze über mir, diese ist in den Bildern als die „Grenze“ des dunklen Bereichs erkennbar, fegte eine kräftige Windböe Staub in die Luft und nach weiteren Böen folgten irgendwann der Regen. So heftig war es nicht, wahrscheinlich erreichten die Böen etwa 70 bis 80 Km/h. Aber dazu sah ich von meinen hervorragenden Platz noch einige Blitze. In Mörschwil war der Niederschlag nach meiner Wetterstation deutlich stärker, aber mit 9.1 mm auch nicht allzu markant.

Stärkste Windböen Ostschweiz:

Quinten (Walensee): 108 Km/h
Bad Ragaz: 104 Km/h
Schmerikon (Zürichsee): 90 Km/h
Niederuzwil: 86 Km/h
Walenstadt: 85 Km/h
Ebnat-Kappel: 82 Km/h
St. Gallen: 75 Km/h

Am spannendsten finde ich den Wert aus Ebnat-Kappel, auch wenn er nicht extrem scheint. Die Wetterstation liegt wahrscheinlich leicht windgeschützt. In meiner Maturaarbeit habe ich die Daten der Station ausgewertet und die gemessenen 82.4 Km/h liegen nur wenig unter dem Rekordwert von 87.5 Km/h. Gemessen wird seit 1998, also seit bald 20 Jahren, da war der heutige Sturm schon sehr markant! Sonst wurden keine extremen Böenspitzen gemessen, aber die 100 Km/h wurden lokal wie angekündigt erreicht.

Die Niederschlagsmengen waren nicht sehr bedeutend. Auf der Hohen Buche (AR) sollen 26 mm Regen gemessen worden sein.

 

 

 

 

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