Faktencheck Klimawandel: Es wird wärmer

In den vergangenen Tagen habe ich mich wieder etwas stärker mit dem Klimawandel befasst. Durch Corona ist dieses Thema vorübergehend in den Hintergrund gerückt. Daran gibt es auch nichts auszusetzen, da das Virus aktuell die grössere Gefahr darstellt. Aber jetzt wo man wieder mehr zuhause sitzt, ist vielleicht gar kein schlechter Zeitpunkt, um sich etwas mit der Problematik des Klimawandels zu befassen. Denn langsam wäre ein Umdenken angesagt. Leider gibt es immer noch einige, die der Meinung sind, dass es keine Klimaerwärmung gebe oder dass der Mensch nicht dafür verantwortlich sei. Ich präsentiere einige Fakten, damit klar wird, dass der Klimawandel keine „Glaubensfrage“ ist. Heute zeige ich zunächst, dass die Klimaerwärmung tatsächlich existiert.

Wer nicht den ganzen Beitrag lesen möchte, der findet am Ende unter dem Fazit die Links zu den Temperaturentwicklungen in der Schweiz und global. Sie stammen vom staatlichen Wetterdienst MeteoSchweiz und dem Weltklimarat IPCC.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es kaum Zweifel daran, dass es global wärmer wird. Nachweisen lässt sich dies in erster Linie mit langjährigen Aufzeichnungen der Luft- und Wassertemperaturen rund um den Globus.

 

Klimaerwärmung Schweiz

In der Schweiz ist dafür das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz zuständig. Die Wetteraufzeichnungen erlauben einen Blick zurück auf bis zu 150 Jahre Wettergeschichte. Dabei gibt es aber noch ein kleines Problem: Die Wettersationen wurden teils mehrfach verschoben oder mit neueren Messgeräten ausgestattet. Jede Änderung an der Messeinrichtung kann die Messergebnisse beeinflussen. Beispielsweise wird eine Wetterstation, die plötzlich um 50 Höhenmeter nach oben verlegt wird, am neuen Standort leicht tiefere Temperaturen messen. Diese Einflüsse haben mit dem Klima nichts zu tun und müssen daher berücksichtigt werden, um Aussagen über den Klimawandel zu treffen. Um dieses Problem zu lösen gibt es ein genaues statistisches Verfahren, das man „Homogenisierung“ nennt. Dabei wird versucht, den Einfluss dieser Änderungen aus den Messdaten rauszurechnen. Das geschieht beispielsweise durch einen Vergleich mit umliegenden, unveränderten Stationen oder indem an beiden Standorten eine Weile lang parallel gemessen wird [1]. Mit diesen homogenisierten Temperaturdaten stellt MeteoSchweiz die Temperaturentwicklung in der Schweiz seit 1864 in einem Diagramm dar. Es ist unter folgendem Link ganz unten zu finden:
Temperaturentwicklung Schweiz 1864-2019 – MeteoSchweiz.
(Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Diagramm hier verwenden darf, darum verlinke ich es.)
Es ist klar zu erkennen, dass die Temperatur seit dem Ende der letzten kleinen Eiszeit stark angestiegen ist, nämlich um rund 2 Grad. Besonders stark ist der Anstieg nach 1980 mit im Schnitt 0.4°C pro zehn Jahre.

Nun kann man natürlich die oben genannte Homogenisierung kritisieren. Es könnte ja sein, dass MeteoSchweiz die Daten so manipuliert hat, dass sie nach der Homogenisierung den Klimawandel untermauern. Mehrere Punkte widersprechen dem: Erstens ist der Prozess der Homogenisierung ausführlich dokumentiert worden [1]. Es wäre also schwierig, eine Manipulation zu verschleiern. Fairerweise muss ich hier anmerken, dass ich die Dokumentation nur überflogen habe. Aber die Erwärmung zeigt sich bei den meisten Stationen auch schon vor der Homogenisierung deutlich. Zweitens hat MeteoSchweiz in einem Blogbeitrag zur Homogenisierung auch die Temperaturentwicklung einer Station gezeigt, die stets unverändert blieb. Auch sie untermauert den oben genannten Trend. Ich beziehe mich hierbei auf das Diagramm der Station „Koppigen“ ganz am Ende des Beitrags. Drittens sehe ich keinen Grund, weshalb MeteoSchweiz als staatliche Organisation ein Interesse daran haben sollte, eine Klimaerwärmung vorzutäuschen.

 

Klimaerwärmung global

Die wichtigste Institution was das Weltklima betrifft, ist das „Intergovernmental Panel on Climate Change“ IPCC. Das IPCC fasst auf wissenschaftlicher Basis die Forschung zum Klimawandel zusammen. Das Ziel ist es, Grundlagen für wissenschaftsbasierte politische Entscheide zu bieten, ohne Handlungsempfehlungen zu geben [4]. Das IPCC berechnet die Entwicklung der mittleren globalen Temepratur von Wetterstationen an Land und auf dem Meer rund um den Globus. Alle paar Jahre werden die Erkenntnisse in einem Bericht veröffentlicht. Diese Berichte durchlaufen ein mehrfaches Begutachtungsverfahren [4]. Der letzte Bericht wurde 2014 veröffentlicht: Climate Change Synthesis Report 2014 – IPCC.
Auf Seiten 2 und 3 des Berichts sind die Forschungsresultate zur globalen Temperaturentwicklung zu finden.
Der lineare Trend, vereinfacht gesagt der globale Temperaturanstieg, von 1880 bis 2012 liegt demnach mit 90% Wahrscheinlichkeit zwischen 0.65 und 1.06°C [5].
Die Schweiz ist also überdurchschnittlich stark vom Klimawandel betroffen.

 

Fazit

Zwischen 1880 und 2012 wurde es global rund 0.8°C wärmer. Die Schweiz ist überdurchschnittlich stark betroffen mit einer Erwärmung von rund 2°C zwischen 1864 und 2019. Das ist der aktuelle Stand der Wissenschaft. Für jene, die den Beitrag nicht durchgelesen haben, verlinke ich hier noch einmal die wichtigen Grafiken:
Temperaturentwicklung Schweiz 1864-2019 – MeteoSchweiz
(Diagramm im unteren Teil)
Climate Change Synthesis Report 2014 – IPCC
(Entwicklung der globalen Temperatur auf Seite 3)

Ich habe mich fürs Erste darauf beschränkt, die Existenz der Klimaerwärmung darzulegen. Die Ursachen der Erwärmung werden, falls ich dazu komme, in einem späteren Beitrag thematisiert. Eines sei schon einmal vorweg genommen: In der Wissenschaft herrscht ein breiter Konsens, dass ein bedeutender Teil dieser Erwärmung dem Menschen zuzuschreiben ist. Da das nicht Thema des heutigen Beitrags war, gebe ich hier keine Referenz an.

Nun denke ich, dass ich hiermit Fakten präsentiert habe, die ziemlich klar zeigen, dass der Klimawandel nicht nur eine „Glaubensfrage“ ist sondern Realität. Falls der Leser nicht überzeugt ist und kritische Anmerkungen machen möchte, sind Kommentare jederzeit willkommen.

 

Referenzen

[1] Homogene Messreihen ab 1864, Meteoschweiz, www.meteoschweiz.admin.ch
[2] Temperatur- und Niederschlagsentwicklung, Meteoschweiz, www.meteoschweiz.admin.ch
[3] Homogenisierung von Messreihen – eine Voraussetzung für die Klimabeobachtung, Meteoschweiz, www.meteoschweiz.admin.ch
[4] Intergovernmental Panel on Climate Change, Wikipedia, www.wikipedia.org
[5] Climate Change Synthesis Report 2014, Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC, Seiten 2 und 3, www.ipcc.ch

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