Auf einen Hitzesommer 2017!

Wieder geht ein sonniger und warmer Tag zu Ende. Und auch die Wettermodelle sehen für die kommende Zeit nur am Wochenende eine kurze Abkühlung auf 20°C und ein wenig Regen, danach wieder hochsommerliche Temperaturen. Traumhaft… Vor allem der Gedanke, dass innert 14 Tagen vorläufig keine Abkühlung auf deutlich unter 20°C zu erwarten ist und auch Regen eher die Ausnahme darstellen sollte. In Gedanken träumen wir, dass der ganze Sommer eine Aneinanderreihung von Tagen wie heute wird. Sonne pur und jeden Tag 30°C – so sollte es sein, vielleicht auch nur 27°C, aber Hauptsache KEIN REGEN!

 

Blick auf eine Apfelplantage im Thurgau im August 2025 nach mehreren „schönen“ Sommern. Quelle: http://pinstake.com/

 

Ist das Bild nicht schön? Sehen Sie doch, der Himmel ist recht blau! Und heiss und sonnig scheint es allemal über längere Zeit gewesen zu sein. Tolles Wetter, um zu Bad… halt, wo ist das Wasser? Da war doch einmal ein Badesee rechts im Bild! Habe ich mich verlaufen? Nein, hinter dem Hügel ist auch nichts. Na gut, dann gibt es halt kein Abkühlungsbad, aber saftige Thurgauer Äpfel bieten ja auch Erfrischung. Die Bäume sahen aber auch schon etwas farbenfroher und lebendiger aus… vielleicht ist es doch etwas zu kalt in der Schweiz. Der Januar war ja auch ganz schön neblig und eisig, nur 10 Grad tagsüber, kein Wunder gedeiht das Obst nicht.
Immerhin scheinbar hat der Bauer noch einige Äpfel im Angebot. 20 Franken pro Stück? Spinne ich?! Der Bauer erklärt, dass dieses Jahr die Ernte wegen der Trockenheit ausgefallen sei und nur noch wenige Äpfel vom Vorjahr vorhanden seien. Ernteausfall wegen dem schönen Wetter? Die Sonne spendet doch Leben!

So, das war jetzt ein Gedankenexperiment mit ziemlich viel Ironie, aber es soll zeigen, dass sich eben ein guter Sommer nicht durch viel Sonne, Hitze und wenig Regen auszeichnet. Vielmehr wäre so ein Sommer für die Schweiz eine der grösstmöglichen Wetterkatastrophen! Das Bild oben ist zwar natürlich übertrieben, aber in die Richtung würde es bei wiederholt „schönen“ Sommern gehen. Der Sommer 2003 und erst kürzlich der Sommer 2015 zeigten, dass es eben doch nicht so gut ist, wenn dauernd Hochdruckwetter herrscht.

Erstens wirkt Hitze belastend auf den menschlichen Körper. Ich wage zu behaupten, dass der Mensch sich bei 10 bis 20°C Aussentemperatur am wohlsten fühlt unter der Annahme, dass eine gewisse körperliche Tätigkeit ausgeführt wird. Bei über 25°C und hoher Luftfeuchtigkeit tritt die sogenannte Schwüle ein, die wir als unangenehm empfinden, trockene 30°C vertragen wir besser. Geht es dagegen deutlich über die 30°C hinaus, werden wir rasch weniger Leistungsfähig. Also: Zum Baden sind 25 bis über 30°C sicher schön, aber für alles andere sind Schwüle oder Hitze einfach nur unangenehm. Vor allem bei älteren Personen nimmt die Sterberate in Hitzesommern zu!

Zweitens steigt die Verdunstung mit höherer Temperatur. Leeren Sie einmal bei 30°C etwas Wasser auf einen Platz, und tun sie dasselbe noch einmal bei 15°C. Sie werden sehen, bei 30°C ist das Wasser schon verschwunden, bevor sie die Giesskanne abgestellt haben, bei 15°C dagegen kann es dauern.
Bei Hitze wird das Wasser demnach viel schneller aus dem Boden „gezogen“ als bei Kälte.

Drittens ist nicht nur die Verdunstung das Problem, sondern auch der wenige Regen selbst. Eines der grössten Probleme in Hitzesommern ist die Trockenheit. In der Schweiz ist das bisher noch nicht so schlimm, aber je mehr die Gletscher abschmelzen, desto weniger Wasser haben wir in gespeicherter Form für den Sommer übrig. Und damit wird nicht nur die Wasserversorgung, sondern auch die Stromversorgung schwieriger, da die Schweiz einen grösseren Anteil ihrer Energie aus Wasserkraft bezieht.

Viertens ist etwas Sonne zwar gesund, aber übertreiben sollte man es nicht. Eine halbe Stunde Sonne pro Tag würde völlig ausreichen, um gesund zu bleiben, wahrscheinlich auch nur teilweise sonniges Wetter. Aber den ganzen Tag in der prallen Sonne zu liegen ist wohl ähnlich gesund wie um Tschernobyl zu leben. Die Ultraviolett-Strahlung der Sonne  dringt in die Haut ein und schädigt diese. Dies kann zu verfrühter Hautalterung führen und erhöht bekanntlich das Hautkrebsrisiko. Ich frage Sie gerne noch einmal, ob Sonne Leben bedeutet, wenn Sie nach einem Tag in der Sonne Abends einen ordentlich schmerzenden Sonnenbrand haben.

Also fassen wir zusammen. Ein Hitzesommer, auch „Traumsommer“ genannt, zeichnet sich durch folgende erfreuliche Phänomene aus:
Durch die angenehmen täglichen 30 bis 35°C steigt bei älteren Personen das Sterberisiko, was der Überalterung entgegenwirkt, womit die Pensionskassen weniger belastet werden. Weil der unter Aufruhr der Schönwetterliebhaber spärlich gefallene Niederschlag nach einem Gewitter rasch verdunstet, kommt es zu Trockenheit, die sich in wunderschön braunen Wiesen und verkrusteten Erdböden, sowie tiefen Seespiegel äussert. Zudem gibt es endlich Gründe, einige schöne Kohlenkraftwerke im Schweizer Mittelland zu platzieren, da die Wasserkraftwerke auf dem Trockenen liegen, während die Stromnachfrage aufgrund der vielen Klimageräte regelrecht explodiert. Da die Bevölkerung ja gerne viel bezahlt und sich an den schönen schwarzen Rauchfahnen erfreuen kann, ist dies eine absolute win-win-Situation. Die Wertschätzung der Thurgauer Äpfel würde steigen, da die wenigen einigermassen normal gewachsenen, nicht verdorrten Äpfel aufgrund des Nachfrageprinzips eine ordentliche Geldsumme abverlangen. Wer im Garten beim Graben nach Wasser fündig wird, könnte ziemlich reich werden, während er das Gold einfach auf den Schuttberg wirft. Zudem könnten sich neue Traditionen etablieren, wie die Selbstverbrennung, bei der man sich tagelang in der Sonne braten lässt, bis man mit den auf der von weiss zu dunkelbraun gewandelten Haut gewachsenen Geschwüren angeben kann.

In dem Sinne – freuen wir uns auf einen hoffentlich heissen und sonnigen Sommer 2017!

(Dieser Beitrag könnte Spuren von Sarkasmus enthalten. Bei entstandenen Angstzuständen empfiehlt es sich, auf einen wechselhaften Sommer mit einer ausgewogenen Mischung aus Sonne, Wolken, Regen, Kühle und Hitze zu hoffen.)

 

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