Jahresrückblick 2017

Und wieder ist ein Jahr verstrichen. Das auch das Jahr 2017 in der Schweiz zu den wärmsten gehört, ist wohl keine allzu grosse Überraschung.

Januar

Nach dem Jahresbeginn schneite es häufig bei teils hochwinterlicher Kälte. Am 6. und 7. Januar sank das Thermometer auf knapp unter -10°C und auch tagsüber blieb es mit rund -4 Grad eisig. Eine kurze Milderung brachte vor der Monatsmitte Regen, Wind und immerhin einen Frostfreien Tag. Rasch kamen aber Schnee und Kälte wieder zurück, worauf sich in der zweiten Monatshälfte eine anhaltende Kältewelle anbahnte. Vom 16. bis 27. Januar stieg die Temperatur während 12 Tagen kein einziges Mal über den Gefrierpunkt. Über eine Woche lang war es sieben Grad kälter als üblich. Die kälteste Nacht erlebten wir dabei am 18. Januar mit -11.8°C. Diese Temperatur ist aber gar nicht so ungewöhnlich. Im Februar 2012 war es sogar -16°C kalt und in früheren Jahren, besonders im letzten Jahrhundert gab es garantiert noch deutlich kältere Nächte. Auch in meiner Messreihe reicht es nicht einmal für die Top 5.
Schlussendlich war fast der ganze Monat weiss und im Schnitt 3.5 Grad zu kalt. Er gehört definitiv zur Eis-Elite des 21. Jahrhunderts.

Die kalte Bise liess das Wasser direkt zu Eiszapfen gefrieren.

Schöner kann Winter nicht sein: Verschneites Appenzellerland und strahlend blauer Himmel

 

Februar

Der Februar war genau das Gegenteil des Januars. Bis auf eine kurze einigermassen kalte Phase kurz vor der Monatsmitte war es mild und nur am 6. Februar waren die Wiesen immerhin kurz leicht „angezuckert“. Im letzten Monatsdrittel hielt definitiv der Frühling Einzug mit bis zu 17.3°C am 23. Insgesamt war der Monat 2 Grad zu warm.

 

März

Der Monat war 3 Grad zu warm und an Sonnenschein fehlte es nicht. Um die Monatsmitte schien beinahe eine Woche lang die Sonne. Am letzten Tag wurde die 20 Grad-Marke zum ersten Mal geknackt.

 

April

Der April war ziemlich schräg. Am 2. zog ein heftiges Hagelgewitter über Mörschwil mit Körnern bis zu zwei Zentimetern Grösse. Es war der grösste Hagel seit Beobachtungsbeginn 2012. Auch die Blitzaktivität war für die Jahreszeit beachtlich und es gab mehrere Naheinschläge. Was für ein Auftakt für die Gewittersaison!

Auch am Folgetag gewitterte es, aber diesmal ohne Hagel. Nach einer ziemlich warmen ersten Monatshälfte gab es in der zweiten Hälfte Temperaturstürze mit Schnee und Frost. Die Nächte auf den 20. und 21. April waren in Mörschwil bis zu -1.9°C kalt und damit für die Landwirtschaft äusserst kritisch. Bis zum Monatsende gab es noch weitere, wenn auch nur minimale Fröste. Am 28. April fiel nochmals Schnee und das nicht zu knapp. 16 Zentimeter schwerer Nassschnee lagen an diesem Freitagmorgen. Verkehrsbehinderungen, verbreiteter Schneebruch an Bäumen und Stromausfälle waren die Folgen. Bis am Abend waren die Feuerwehren mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

Die Pappeln sehen ziemlich mitgenommen aus. Weitere Bilder: https://meteomoerschwil.zangl.ch/stromausfall-schneechaos-und-umgestuerzte-baeume/

Die Monatssumme des Niederschlags war viel höher als üblich und es war im Mittel etwas zu kühl. Ungewöhnlicherweise war der April sogar kälter als der März.

 

Mai

Besonders spannend war im vergangenen Mai der 14. Gleich vier teils ziemlich fotogene Gewitter an einem Tag durfte ich bewundern:

Aufziehendes Hagelgewitter

Das oben abgebildete, dritte Gewitter des Tages brachte in der Folge kräftigen Regen und kleinen Hagel. Als wären drei Gewitter nicht schon genug, nahte am Abend eines meiner Lieblingsgewitter des Jahres:

Aufzug des vierten Gewitters bei Sonnenuntergang. Fantastisch.

In der zweiten Monatshälfte wurde der Sommer eingeläutet. Häufig schien die Sonne bei Temperaturen um 25 Grad. Am 28. und 29. wurden sogar Hitzetage registriert mit bis zu 30.6°C.

Insgesamt war der Mai 1.5 Grad zu warm und leicht zu nass.

 

Juni

Der Morgen des 8. Junis scheint mit einer Temperatur von 7.3°C eine Wohltat gewesen zu sein, denn danach war es über zwei Wochen lang sommerlich warm. Gewitter gab es am 1., 2. und 15. des Monats. Vom 20. bis am 23. wurde die Schweiz von einer Hitzewelle überrollt, die am 23. ihren Höhepunkt mit einem Höchstwert von 33.2°C erreicht. Ungewöhnlich war die Tiefsttemperatur an jenem Tag. Es kühlte nie unter 23.5°C ab und das ist wirklich auch bei Hitzewellen nicht normal. In meiner Messreihe ist es mit Abstand die wärmste Nacht. Besonders extrem sind die Messwerte der Meteoschweiz-Wetterstationen Güttingen und Aadorf im Thurgau, wo seit Jahrzehnten gemessen wird. Dort wurden die bisherigen Rekorde um FÜNF GRAD übertroffen! Tropenklima mitten in der Ostschweiz.

Gewitter über dem Bodensee

Satte 3 Grad zu warm und nur zwei Drittel des üblichen Niederschlags. So lautete die Bilanz.

 

Juli

Der Juli war typisch mitteleuropäisch und insgesamt nur leicht zu warm und zu nass. Längere trockene Phasen fehlten, es gab mal Sonnenschein, mal Schauer und Gewitter. Am 8. Juli wurde es 32.6°C heiss und am Abend zogen schwere Gewitter mit viel Niederschlag über den nördlichen Teil des Bodensees. Mörschwil wurde verschont. Aber am Arboner Seenachtsfest gab es eine Schrecksekunde: Ein Blitz schlug wenige hundert Meter vor dem Festgelände in den See.

Das Gewitter liess sehr viel Wasser fallen. In Konstanz sollen in 3 Stunden 70 mm gefallen sein.

Am Abend des 10. regnete es kurz ziemlich intensiv. In einer Stunde kamen 17.6 mm zusammen, was weder unwetterartig, noch rekordnah ist, aber trotzdem kräftig. Eine spannendere Gewitterfront durchquerte am späten Abend des 22. die Ostschweiz. Vielerorts erreichte der Wind Sturmstärke, wie in St. Gallen und Altenrhein mit je 85 Km/h. Zudem blitzte es im Sekundentakt. In den folgenden Tagen kühlte es auf unter 20 Grad ab.

 

August

Am Nationalfeiertag zündete auch Petrus sein Feuerwerk. Eine Gewitterfront brachte in den späten Nachmittagsstunden viele Blitze, Starkregen und kräftige Sturmböen bis 101 Km/h in Altenrhein. Die Böenspitze meiner Wetterstation war dagegen nicht speziell hoch.  Am 5. August zog ein kurzes Hagelgewitter über Mörschwil mit einigen Körnern um einen Zentimeter Durchmesser. Es war bereits das dritte Hagelgewitter im 2017. Nach der vielen Hitze zeigte der Sommer am 11. August, dass er auch anders kann. Die Temepratur erreichte bei etwas Regen tagsüber gerade einmal 14.8°C. Doch die Wärme meldete sich bald zurück und am 18. und 24. zogen weitere Gewitterfronten durch die Ostschweiz.

Horn mit Blickrichtung Südwest: Spektakulärer Aufzug der Gewitterfront. Etwas unterbelichtet…

Am letzten Tag des Monats setzte anhaltender Regen ein, der in den folgenden Tagen noch zum Problem werden sollte. Der August war fast zwei Grad zu warm und leicht zu nass.

 

September

Der anhaltende und ergiebige Regen, der am 31. August begonnen hatte, setzte sich bis am 2. September fort. Dabei kamen in drei Tagen 122.8 mm Regen zusammen, was für diese Zeitspanne einen neuen Rekord bedeutete. Die Folgen waren Erdrutsche und Hochwasser. In der Lochmüli bei Mörschwil wurde eine kleine Brücke stark beschädigt.

Vom Hochwasser der Goldach beschädigte Brücke bei der Lochmüli.

Dabei war es mit gerade mal 12.9°C als Tageshöchstwert auch ziemlich kühl. Der Rest des Monats war ziemlich unspektakulär, häufig bewölkt und kühl. So lag die Temperatur im Monatsmittel ein Grad unter dem Normwert und der Regen war leicht überdurchschnittlich.

 

Oktober

Zu Beginn brachte eine schmale Kaltfront 12 mm Regen in einer Stunde. Solche Regenintensitäten sind eher untypisch für den Oktober. Sonst brachte der Oktober ziemlich viel Sonne und nur wenig Nebel. Nach der Monatsmitte reichte es noch einmal für 20.5°C, bevor im letzten Monatsdrittel Abkühlung folgte. Relativ früh sank die Temperatur schon am 31. Oktober zum ersten Mal unter den Gefrierpunkt. Insgesamt war der Monat mit 1.5 Grad über dem Mittel deutlich zu warm und leicht zu trocken.

Sicht auf eine Nebeldecke über dem Bodensee.

 

November

Der ohnehin schon dunkle Monat war obendrein auch wettermässig häufig grau und nass. Am 12. überquerte eine markante Kaltfront die Ostschweiz. Verbreitet erreichte der Wind Sturmstärke, dazu fiel die Temperatur in kurzer Zeit um rund 6 Grad.

Kaltfront über dem Bodensee. Sie erinnert visuell an den Sommer.

In den folgenden Tagen fielen die ersten Schneeflocken bei frühwinterlicher Kälte. Nach kurzer Milderung wurde es am 26. November richtig weiss, wenn auch der Wintereinbruch nicht nachhaltig war.

Eine Wohltat für jeden, der den Winter mag. Sei es auch nur ein mit Grün gespicktes Weiss. Jedenfalls eine schöne Einstimmung auf das was der Winter hoffentlich noch bringt.

 

Dezember

Über weite Strecken brachte der Monat winterliche Temperaturen und auch hin und wieder Schnee. Richtig eiskalt wurde es nicht, das Temperaturminimum lag bei -5.6°C in der Nacht auf den 10. Am gleichen Tag regnete es durch eine Warmfront bei -1°C, was üblicherweise zu Blitzeis führt. Grosse Verkehrsprobleme hat es aber scheinbar nicht gegeben. In der Nacht vom 14. auf den 15. fielen in der Ostschweiz für die Jahreszeit sehr grosse Niederschlagsmengen. Mit einer Tagessumme von 47.3 mm belegt der 14. Dezember Platz 2 seit Messbeginn. Die maximale 24-Stundensumme erreichte 63.5 mm und landet ebenfalls auf Platz 2. Es kam zu kleineren Überschwemmungen. Danach war der Winter wieder zeitweise zu Gast, aber eben nicht dauernd. Mit leichten Plusgraden Tagsüber und etwas Nieselregen schmolzen die jeweils wenigen Zentimeter Schnee rasch wieder weg.
Der Dezember war temperaturmässig ziemlich ausgeglichen, aber die Niederschlagsmenge war mehr als doppelt so hoch wie üblich.

 

Monatswerte 2017

 Temperatur Min. [°C]Temperatur Mittel [°C]Temperatur Max. [°C]Niederschlagssumme [mm]Neuschneesumme [cm]Max. Windböe [km/h]
Januar-11.8-3.27.0
61.54642
Februar-3.53.917.357.3045.6
März-1.88.520.669.8041.2
April-1.98.223.4168.11541.2
Mai1.515.130.6102.2035.3
Juni7.320.333.286.1030
Juli10.719.732.6151.7037.7
August10.120.033.2150.1036.1
September4.213.523.9153.4033.2
Oktober-0.910.722.567.3042.3
November-1.34.916.2112.0440
Dezember-5.61.012.3150.71138.8

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