MCV über dem Thurgau

Nachdem schwere Gewitter mit lokal sehr grossen Regenmengen insbesondere in der Region Wil grössere Überschwemmungen verursachten, regnet es jetzt im gesamten Thurgau und dem Fürstenland anhaltend.

Der Grund für die ununterbrochenen und grossflächigen Niederschläge ist ein sogenannter MCV. Die Abkürzung steht für „Mesoscale convective vortex“, auf Deutsch „Mesoskaliger konvektiver Wirbel“. Das ist ein organisiertes Gewittersystem, dass im Gegenuhrzeigersinn rotiert. Organisiert bedeutet im Bezug auf Gewitter, dass sich die Zellen nicht in ihren Aufwind abregnen, sondern der Aufwind vom Niederschlag getrennt wird. Dadurch wird der Aufwind nicht abgeschwächt, sodass das System langlebig ist. Einfache Gewitterzellen fallen nämlich in eins bis zwei Stunden wieder zusammen.

Der MCV hat auf seiner Nordostseite in Süddeutschland zudem noch eine Gewitterlinie ausgebildet, in der heftige, aber nur kurze Niederschläge fallen. Sie wird mit dem MCV mitrotieren, denke ich.

Zum Schluss noch eine kleine Bilanz zu den Regenmengen:

Derzeitiger Spitzenreiter in der Ostschweiz ist Lommis, eine Gemeinde in der Nähe von Wil. Dort wurden laut Meteocentrale bis um 20 Uhr 77 mm Niederschlag gemessen. Diese Niederschlagsmenge kam nur in etwa dreieinhalb Stunden zusammen! Kein Wunder gab es in und um Wil Überschwemmungen. Aber auch in Güttingen fielen 59 mm in einer Stunde, das ist sogar noch mehr als beim Unwetter in Mörschwil Ende April!

Wesentlich ruhiger verlief das Gewitter in Mörschwil. In einer Stunde fielen 12 mm, das ist zwar ein intensiver Regen, doch er verursacht normalerweise keine Schäden. Da es aber noch weiterregnete, sind wir mittlerweile (22 Uhr) bei 31.1 mm, das gibt doch eine ordentliche Tagessumme bis Mitternacht. Einen Rekord gibt es aber nicht, die maximale Tagessumme betrug 51.5 mm und wurde am 27.April dieses Jahres gemessen.

Der MCV scheint sich über dem Thurgau „eingenistet“ zu haben, er wird noch einige Stunden kräftigen Regen bringen. Er bewegt sich aber derzeit langsam nach Nordosten. An der Station Lommis könnte bis Morgen Nachmittag eine 24-Stundensumme von beinahe 100 mm zustande kommen, das kann als extrem bezeichnet werden.

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