Unwetterpotential am Bundesfeiertag!

Nachdem der 1. August in den vergangenen Jahren relativ ruhig verlaufen ist, steht am Dienstag eine Wetterlage mit grossem Unwetterpotential an. Besonders in der westlichen Hälfte der Schweiz sind Superzellen, also schwere Gewitter mit Grosshagel und Orkanböen möglich! In der Ostschweiz ist das Gefahrenpotential etwas geringer, aber auch hier sind Hagel und insbesondere Sturmböen möglich.

Wie schon in den vergangenen Tagen herrscht eine Südwestlage, die viele Überraschungen bietet, und bekannt für unwetterartige Gewitter ist. Daran ändert sich am Bundesfeiertag nicht viel, nur dass derzeit und bis am Dienstagabend im Osten der Föhn weht. Dieser trocknet die Luft ab und sorgt zudem für eine Tropennacht mit teils nicht unter 24°C in den Föhntälern. Der Dienstag wird mit Föhn ziemlich sonnig und 30 bis 33, im Rheintal um Chur gar bis 35°C heiss. Am Abend bricht der Föhn zusammen und die Luft wird aus Westen deutlich angefeuchtet. Ein sich aus Westen nähernder Trog bringt am späten Abend zunehmend Hebung womit Gewitter ausgelöst werden. Nun stellt sich die Frage: Wie heftig können diese werden?

Für Gewitter wird benötigt:

Hebung
Labilität
Feuchtigkeit

Die Hebung ist mit der Auslöse vorhin schon geklärt worden. Auch an Labilität mangelt es nicht: Die Atmosphäre ist weiterhin sehr instabil geschichtet und mit einer äquivalentpotentiellen Temperatur von 65°C ist viel Energie vorhanden. Bei Föhnlagen könnte die Feuchtigkeit zum Problem werden. Das Wettermodell WRF rechnet aber, dass die Taupunkte – ein Mass für die Feuchtigkeit – nach einer besonders trockenen Phase in der Nacht wieder ansteigen, zudem sieht GFS nach dem Föhnzusammenbruch eine Anfeuchtung der tieferen Luftschicht. Natürlich können sich die Modelle irren, aber ab dem Dienstagabend sollte zunehmend genügend Feuchtigkeit vorhanden sein.

Gewitter sollten sich also am Abend bilden können, wahrscheinlich vor allem im Thurgau, weil der Föhn dort weniger Einfluss hat.

Nun ist ein kurzes Gewitterchen noch kein grosses Problem bei 1. Augustfeiern. Problematisch wird es bei schweren Gewitterstürmen. Hier kommt ein weiterer Faktor ins Spiel: Die oft erwähnte Windscherung. Ohne Windscherung bleibt es neben Starkregen meist bei kleinem Hagel, mit Windscherung steigt das Risiko für Grosshagel und schwere Sturmböen.

Die Windscherung beträgt zwischen Boden und 6 Km Höhe am Abend voraussichtlich 20-25 m/s. Bei solchen Werten und ausgeprägter Labilität ist die Wahrscheinlichkeit für Superzellen, also schwere Gewitter hoch. Auch in 3 Km Höhe erreicht der Wind am späteren Abend Geschwindigkeiten von rund 25 m/s (90 Km/h). In dieser Umgebung können Gewitterzellen wirklich gefährlich werden! Einerseits kann eine Superzelle Grosshagel bis 5 Zentimeter produzieren, der erhebliche Schäden anrichtet. Aber auch das Potential für Downbursts, heftige Gewitterböen, ist nicht zu vernachlässigen. Der Wind aus 3 Km Höhe kann zum Boden umgelenkt und durch die Abwinde und Verdunstungskälte nochmals deutlich beschleunigt werden. Somit sind im Bereich einer Superzelle Böen zwischen 90 und 120 Km/h, eng begrenzt auch deutlich mehr möglich.

Grundsätzlich handelt es sich bis auf die möglicherweise schwächende Wirkung des Föhns um eine grössere Unwetterlage. Letztendlich können aber kleine Details sogar dazu führen, dass sich nur mässige Gewitter bilden, besonders im Osten aufgrund es Föhns. Lagen, bei denen sich Labilität und starke Windscherung zeitlich überlappen sind bei und nicht sehr häufig und haben in früheren Jahren nicht selten zu schweren Gewittern geführt. Aber auch wenn sich effektiv Superzellen mit einem massiven Hagelsturm entwickeln sollten, trifft es längst nicht alle. Unwetter sind meistens nur lokal bis regional.

Trotzdem: Aufgrund des grossen Unwetterpotentials ist bei Aktivitäten im Freien die Beobachtung des Niederschlagsradars empfehlenswert. Besonders bei grösseren Festen sollten die Warnungen, beispielsweise von Meteocentrale, sowie der Niederschlagsradar regelmässig beobachtet werden. Bereits heute Morgen forderte eine heftige Gewitterböe bei Interlaken ein Todesopfer! Also aufpassen!

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