Unwetter ausgeblieben

Der gestrige Tag wies ein recht hohes Unwetterpotential auf. Feuchtwarme Luft, viel Sonnenschein und eine heranziehende Kaltfront sind die perfekte Unwettermischung, weshalb ich in eime Beitrag vor Unwettern gewarnt habe: https://meteomoerschwil.zangl.ch/heute-lokale-unwetter-moeglich/

Folgende Warnung habe ich auf der Startseite herausgegeben:
Am Donnerstagnachmittag und -abend sind im gesamten Warngebiet Gewitter zu erwarten. Dabei sind lokal kräftige Gewitter mit Starkregen (20-30 mm/h), mässigem Hagel (1-2 cm) und Sturmböen (<80 Km/h) zu erwarten. Je länger die Sonneneinstrahlung und damit je feuchter die Luft, desto heftiger fallen diese Gewitter aus. Derzeit erwarte ich keine grössere Unwetterlage, aber örtlich sind Schäden möglich.

Eigentlich wollte ich sie im Verlaufe des Nachmittags hochstufen, wie es auch im Beitrag steht, aber irgendwie hat es mit dem Aktualisieren nicht geklappt. Letztendlich waren die Gewitter aber schwächer als ich erwartet hätte, sodass die Heraufstufung im Nachhinein übertrieben gewesen wäre.

Nachdem die Sonne die Temperatur auf beinahe 30°C hinaufgetrieben hatte, entwickelten sich am frühen Abend im Aargau die ersten Gewitter, die nach Osten zogen. Die Tageszeit hätte für die Bildung eines Unwetters nicht optimaler sein können, denn es standen enorme Energiemengen zur Verfügung. So fuhren mein Vater und ich in die Region Amriswil, wo wir das Gewitter fotografieren wollten, doch dort angekommen löste sich das Gewitter bereits langsam auf und schien nicht im Begriff zu sein, neue Zellen entstehen zu lassen.

Das Gewitter im Thurgau kurz vor dem Sterben. Die verwischten, undeutlichen Konturen deuten darauf hin, dass das Gewitter von Abwinden dominiert wird und langsam in sich zusammenfällt.

Warum um alles in der Welt gingen die Gewitterzellen bei der vorhandene Energie von rund 2000 J/Kg SBCAPE (Labilitätsmass) zugrunde? Ich habe den Höhenkeil völlig vergessen. Das ist ein Hochdruckgebiet in grösserer Höhe, und – Sie werden es ahnen – Hochdruck zerstört Gewitter. Dies kommt daher, dass die Luft grossräumig absinkt und für ein Gewitter bräuchte es aufwärts gerichtete Luftströmungen – also ein Tiefdruckgebiet. Dieser Höhenkeil lag ein wenig östlich der Schweiz und war für mich recht unscheinbar, sodass ich gar nicht daran gedacht habe, aber das Gewitter scheint wirklich daran gescheitert zu sein.

Nun gut, auf der Rückfahrt nach Mörschwil fuhren wir durch leichten Regen der ehemaligen Gewitter, womit auch die Temperatur von 30 auf 25°C gesunken war. War’s das schon? Die Energie war zwar ein wenig gesunken, aber immer noch vorhanden, die Abkühlung war ja nicht so stark und die Kaltfront noch nicht durch. Also abwarten. Tatsächlich formierte sich um 20 Uhr eine neue Gewitterfront im Aargau, die besser organisiert war (Stärkere Höhenwinde an der Kaltfront sind förderlich für Gewitter). Es kam zu teils heftigen Windböen. Am Zürichsee wurden beinahe 90 Km/h gemessen. Die Gewitterlinie reichte von Schaffhausen bis Luzern und zog danach auch durch das Thurgau. Wieder fuhren wir los und schon von Mörschwil aus sahen wir eine ordentliche Zelle in Richtung Konstanz, die einige schöne Blitze in den Bodensee produzierte – leider zu früh um sie zu fotografieren. In Uttwil regnete es stark, wobei auch kleiner Hagel fiel, aber das war nur die Rückseite der Zelle, die nun auf den Bodensee hinauszog. Am Hafen von Romanshorn konnten wir gleich zwei blitzende Zellen beobachten: Einerseits jene, die wir noch knapp erwischten, andererseits eine, die sich nahe Mörschwil verstärkt hat und nun ins Rheintal zog.

Die Blitze waren zwar nur als Erhellungen zu sehen, aber sie beleuchteten das abziehende Gewitter fantastisch. (Aufnahmeort Romanshorn Blickrichtung Altenrhein)

In der Nordostschweiz waren die Gewitter meines Wissens ziemlich normal, nicht wirklich heftig, aber dennoch interessant. Das oben gezeigte Gewitter brachte lediglich in Altenrhein eine stürmische Böe von 70 Km/h. Zudem fiel lokal kleiner Hagel, aber wohl überall unter einem Zentimeter Durchmesser. Grund dafür, dass Unwetter hier ausblieben wird wohl sein, dass das sterbende Gewitter am Abend für etwas Abkühlung gesorgt und die Situation entschärft hat.

2 Kommentare

  1. Hallo Florian
    wie wird eigentlich das Energiepotential (CAPE) ermittelt? Gemessen wohl kaum, wahrscheinliche eher gerechnet aus Temperatur- und Feuchtigkeitsschichten?

    Gruss

    • Hallo
      Wie du vermutet hast, wird CAPE nicht direkt gemessen, sondern berechnet. Wie genau die Berechnungen in den Wettermodellen aussehen, weiss ich nicht. Von Hand kann man dieses Energiepotential aber gut abschätzen. Man nimmt dazu ein sogenanntes „Sounding“, das die Temperaturen und Feuchtigkeiten in verschiedenen Höhen grafisch darstellt. Hier ist eine Erklärungsseite: http://www.greenskychaser.com/blog/2011/05/09/meteorology-101-atmospheric-sounding-charts/
      Nun nimmt man irgend ein Luftpaket, beispielsweise jenes vom Boden, und lässt es aufsteigen (nur in Gedanken bzw der Theorie). Die Temperatur nimmt dabei zuerst um ca. 1°C pro 100 Meter Höhe ab, sobald die Feuchtigkeit auskondensiert ist, also wenn Wolken sichtbar werden, sind es noch rund 0.7°C pro 100 Meter. Man zeichnet diese Temperaturkurve ebenfalls in das Diagramm ein.

      Nun ist CAPE im Prinzip die gesamte Bewegungsenergie, die dem Luftpaket zugeführt wird. Als Vergleich: Wenn wir beim Autofahren beschleunigen, braucht es dafür ja auch Energie. Wärmere Luft hat eine geringere Dichte als kältere (ist „leichter“) und steigt auf. Dabei beschleunigt dieses Luftpaket nach oben, seine Bewegungsenergie nimmt also zu. CAPE ist die gesamte Energie, die das Luftpaket zum Aufstieg bekommt. In einem Sounding kann man CAPE qualitativ abschätzen: Die Temperaturkurve des Luftpakets und jene der Umgebungsluft spannen eine Fläche auf. Je grösser diese ist, desto grösser ist CAPE. Zur genauen Berechnung kommt aber noch die Erdbeschleunigung ins Spiel.

      Ich hoffe, ich konnte etwas weiterhelfen.

      Gruss
      MeteoMörschwil

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